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Eine Reise nach Malawi


Dankenswert vom VERLAG Wolfgang Brugger zur Verfügung gestellt



Mein Sitznachbar versucht, einen Blick aus dem Flugzeugfenster zu 


erhaschen. "Wissen Sie, wie der Fluß da unten heißt?"





Ich kann auch nur raten, denn diese Strecke bin ich noch nie 


geflogen. "Vielleicht ist es der Zambezi". "Gut möglich", meint 


Nic, ein weißer Südafrikaner, der ebenfalls den Malawi-Trip mit 


"Drifters Abenteuer Reisen" gebucht hat.





Bevor wir weiter rätseln können, dringt undeutlich eine Stimme 


aus den Lautsprechern. Sie kommt kaum gegen des Rauschen der 


Boeing 737 der Air Malawi an. Ich verstehe nur den Namen 


"Cabora-Bassa". So heißt ein großer Stausee in Mozambique, der 


in den der Zambezi mündet. Mit südafrikanischer Hilfe gebaut, 


sollte er Strom in die Apartheidrepublik liefern. Der Bürgerkrieg 


in Mozambique machte jedoch einen Strich durch die Rechnung.





Kaum drei Stunden nach dem Abflug in Johannesburg landet die Maschine nach 


Überquerung von Nordtransvaal, Mozambique und Zimbabwe im "warmen 


Herzen Afrikas", wie sich das zentralafrikanische Land in den 


Prospekten bezeichnet.





Der Chef von Drifters, Andy Dott, hat mich beim Einchecken in 


Joburg mit den Worten "Da sind Lebensmittel für die Gruppe drin, 


die es in Malawi nicht gibt" darum gebeten, zwei schwere 


Plastiktruhen mitzunehmen.





Die Reisegruppe erledigt die Einreiseformalitäten in Lilongwe, 


übernimmt das Gepäck, und stellt sich dann in die Warteschlange 


zum Weiterflug nach Monkey Bay, einem kleinen Flughafen am Lake 


Malawi an.





Als die Reihe an den Reisenden vor mir kommt, hält die 


malawische Flughafenangestellte eine Bordkarte hoch und verkün-


det: "Das ist der letzte Platz in der Maschine". Ich glaube, ich 


höre nicht richtig. Doch, es ist wahr! Mein Vordermann ergreift 


eilig die Karte und verschwindet im Ausgang des Flughafengebäudes 


Richtung Flugzeug. Während ich der Dame noch klarzumachen ver-


suche, daß ich und vier andere der Drifters-Reisegruppe bestätigte


Tickets haben, die uns auf jeden Fall zum Flug nach Monkey 


Bay berechtigen, hebt draußen "unsere" Propellermaschine schon 


zum halbstündigen Flug an den Malawi- See ab.





Was tun? Verschiedene uniformierte Flughafenangestellte zucken 


nur teilnahmslos die Achseln. Niemand ist verantwortlich. Nach 


etwa einer Stunde habe ich erreicht, daß uns fünfen ein kleiner 


Bus der Air Malawi zur Verfügung gestellt wird. Nur mit Mühe kann 


ich verhindern, daß uns der entsprechende Flugschein aus dem 


Ticket- Heft gerissen wird. Durch diesen Trick wären wir niemals 


in der Lage, zu beweisen, daß uns der Flug verweigert wurde.





Wir steigen eingermaßen erleichtert in den Mitsubishi- Bus und 


wundern uns über die 20 Flaschen "cooldrink" (Coca Cola, Saft 


etc.), die im Eiswasser in einer Plastikwanne umherschwimmen. Ich 


habe den Kommentar des Schalterbeamten noch in den Ohren: "In 


vier Stunden sind Sie da!" Braucht man in vier Stunden 20 


Flaschen?





Moses, unser malawischer Busfahrer, bekommt an der vierten 


Tankstelle der Hauptstadt endlich Benzin. Wir verlassen die 


Hauptstadt in südöstlicher Richtung. Vorherrschende Farbe: Grün 


in allen Schattierungen. Tropische Bäume. Saftige Vegetation. Ein 


fruchtbares Land, könnte man meinen. Dafür sprechen auch Legio-


nen von Menschen, die die Straßen säumen. Ab und zu kommt uns 


ein Auto entgegen.





Als schon eine Stunde später die Dämmerung das Fahren für Moses 


schwieriger macht, und die Fußgänger am Wegesrand (und die 


Schlaglöcher) nicht mehr so einfach zu sehen sind, beginnt ein 


sanfter Aufstieg, begleitet von Bergen.





Stockdunkel ist es mittlerweilen. Ab und zu fahren wir in 


gemäßigtem Tempo an Straßenmärkten vorbei. Im Kerzenschein werden 


von einer erstaunlichen Anzahl von Menschen hübsch in Pyramiden 


aufgeschichtete Kartoffeln, Krautköpfe, Tomaten, Papayas, Avoca-


dos und anderes Obst und Gemüse gekauft. Ein malerisches Bild.





"Sind wir nicht bald da?" Dieser Satz klingt immer öfter auf. 


Seltsam, wir passieren nun schon zum dritten Mal ein Schild 


"Achtung, Grenzübergang". Moses erklärt, daß wir an der mozambi-


quanischen Grenze entlang fahren.





Kaum sind 5 (fünf) Stunden im Dunkeln abgesessen, erreichen wir 


eine Abzweigung, die uns zum Flughafen und zu einem Luxushotel 


führen soll. Moses biegt in einen sandigen schmalen Feldweg ab, 


der so tiefe Furchen hat, daß mir ein vierradgetriebenes Fahrzeug 


passender erscheint als ein Kleinbus.





Linkerhand liegt, so stellen wir in der Dunkelheit fest, hinter 


einem Zaun eine Wiese, die Moses als "Flugfeld" bezeichnet. 


Offenbar landet hier die wöchentliche Air Malawi Propellerma-


schine, die wir nicht benutzen durften. In der Empfangshalle des 


Luxushotels gleich daneben fragen wir nach "Joe", der uns mit dem 


Drifters- Truck abholen soll. Von Joe keine Spur. Der hatte wohl 


nicht die Geduld, auf uns zu warten.





Nach kurzer Diskussion überzeugen wir Moses, uns zum See zu 


fahren, wo auch die Zelte für unser Nachtlager aufgestellt sein 


sollen. Als der Hotel-Portier hört, daß wir zum Campingplatz 


wollen, schüttelt er den Kopf: "Da habt Ihr ja ganz schön was 


vor! Es sind 65 km, und die letzten 30 km sind übel!"





Durch diese hoffnungsfrohen Worte geleitet lassen wir uns von 


Moses bis zur Haupt- und Teerstraße schütteln. Mitten in der 


Nacht tauchen am Weg zweideutige Schilder auf. Keiner von uns 


weiß, ob wir nun geradeaus oder links fahren sollen. Wir tippen 


auf geradeaus, denn links geht es auch zur Polizeistation, doch 


wer weiß, wie weit weg von der Hauptstraße diese liegt.





Kurze Zeit später ein anderer Grund, unsere Fähigkeit zum 


Hellsehen zu erproben. Wir entscheiden uns diesmal für links, 


denn wir erkennen ein verwittertes Schild mit der Aufschrift 


"Golden Sands" im Scheinwerferlicht, von Büschen eingewachsen. 


Das klingt doch irgendwie nach Strand, oder?





Nun zeigt es sich, daß wir durch den Feldweg zum Flughafen gut 


auf die kommenden Kilometer vorbereitet wurden. Moses ist ein 


wahrer Fahrkünstler. Links und rechts von hohen Bäumen begrenzt, 


windet sich der einspurige Pfad, der zum Teil tief ausgepült ist, 


zwischen engen Felsen hindurch, wobei teils sehr steile Steigun-


gen zu überwinden sind. Ein halbes Dutzend mal quälen wir uns 


durch Bäche mit besorgniserregend hohem Wasserstand, wobei der 


Bus eine mehr als seltsame Schräglage einnimmt. Doch Moses und 


sein Mitsubishi schaffen es. Seekrankheit-ähnliche Symptome pla-


gen uns. Fanta und Cola sind bereits ausgegangen.





Wir vergleichen die Uhren und den Kilometerstand. Eigentlich 


sollte das Ufer des Sees schon vor uns liegen. Stattdessen teilt 


sich unser Pfad. Müdigkeit hat sich schon längst - es ist nach 11 


Uhr nachts- in unseren Hirnen breitgemacht.





Trotzdem steige ich aus dem Bus in die stockdunkle, unheimliche, 


sternendurchglühte, sanfte, warme Nacht hinaus, und prüfe mit dem 


Finger Reifenspuren im Sand, die vom Scheinwerfer des Busses 


plastisch beleuchtet werden. Welche ist nun frischer, und welche 


gehört zu dem Lastwagen, den ich noch nie gesehen habe, und der 


uns laut Programm durchs südliche Malawi fahren soll?





Nach rechts, empfehle ich Moses, und die anderen stimmen zu, denn 


selbst eine falsche Entscheidung ist noch besser, als umzudrehen, 


und den verwunschenen Weg zum Flugplatz zurückzufahren.





Noch eine Wegbiegung und schon glitzert in der Ferne der See, in 


dem sich der soeben aufgehende Vollmond gelblich spiegelt, und 


unsere Stimmung wird spürbar besser. Als die Straße aufhört, 


steigen wir aus. Ruhe, Wärme, der Geruch von toten Fischen. Leise 


schwappt das Seewasser ans grobsandige Ufer. Silbrig glänzt der 


Lake Malawi. Die Zeit scheint stillzustehen. Wie Lanzen stechen 


die beiden Lichter unseres Busses in die Nacht. Doch kein Zelt, 


kein Licht, das auf unsere Reisegruppe hindeutet.





Ich erkenne die Mauern einer Hütte in der unmittelbaren Nähe. 


Ein Fischerdorf? Der Vollmond strahlt nun kräftiger. Zwei, drei 


dunkle Gestalten kommen näher. Moses unterhält sich mit ihnen. 


Sie sind Dorfbewohner. "Chembe" heiße die Ansiedlung. Eine der 


ärmlich gekleideten nächtlichen Gestalten erklärt sich bereit, 


uns zu der Stelle zu führen, wo er unsere Leute vermutet, und 


setzt sich neben den Fahrer. Auf der staubigen Dorfstraße rollen 


wir den See entlang an strohgedeckten Lehmhütten vorbei im 


Schrittempo unserem Ziel entgegen. Dort, wo sie der Fremde 


vermutete, sind unsere Leute nicht. Er steigt aus, und deutet 


weiter Richtung Westen, wo der Vollmond einen Berg bescheint, wo 


die Straße anscheinend aufhört.





Das Dorf haben wir inzwischen verlassen. Berg und See treffen 


hier zusammen. Kein Platz mehr für eine Straße dazwischen. Dafür 


stehen einige Häuser unter Bäumen. Eine Lichtung, zwei Autos im 


Halbschatten des Vollmondes. Afrikaanse und englische Laute? 


Schon sind wir von unseren Mitreisenden umringt, die mit dem 


Flugzeug gekommen sind. Wir werden zu den Zelten geführt. Auf 


dem Lagerfeuer steht die Teekanne. Auch etwas zum Essen gibt es. 


Zwei Schwarze, die offenbar in Drifters Diensten stehen, weisen 


uns ein.





"Wo ist Joe, der Fahrer?" "Der ist mit dem Truck unterwegs, Euch 


vom Flughafen abzuholen." Dann haben wir uns verfehlt!





Zu einem langen Gespräch sind wir nicht mehr fähig, da hundemüde. 


Nur noch eins: "Warum konnten wir nicht mitfliegen?" Die einfache 


Antwort: Unsere Plätze wurden von einem "Geschäftsmann" und einer 


Familie eingenommen. Der Geschäftsmann brüstete sich im Flugzeug 


damit, daß er den Beamten am Ticket- Schalter eingeschüchtert 


habe: "Entweder ich fliege jetzt mit, oder ich lasse mein 


wichtiges Geschäft platzen". Schon hatte er sein Ticket, und 


seinen Platz im Flugzeug. Sicher gab er ein gutes Trinkgeld. 


Ebenso sicher war die Familie, die auch mitflog, nicht irgendeine 


Familie. Vielleicht war sie dem Flugschein- Beamten gut bekannt, 


oder hatte gerade ein paar Kwatcha (hiesige Währung) zur Hand, 


mit der sie den Wunsch eines Fluges bekräftigen konnte.





Ob wir jemals das Geld für den Flug Lilongwe-Monkey Bay 


zurückbekommen? Auf jeden Fall werde ich es nach der Reise beim 


Veranstalter Drifters versuchen. Die müde Runde löst sich langsam 


gähnend auf und kriecht in die Zelte. Ins Zelt möchte ich nicht, 


da es drinnen furchtbar heiß ist. Als der taghell strahlende 


Mond sich sanft in den Maschen des Moskitonetzes spiegelt, bin 


ich schon längst auf meiner Isomatte eingeschlummert. In meinem 


Traum fährt mir immer ein Bus vor der Nase weg.





Kurz nach dem Morgengrauen weckt mich der Schrei eines "Fish 


Eagle", auf deutsch "Schreiseeadler" genannt. Die in den Zelten 


schnarchen noch vor sich hin, doch um meinen Schlaf ist's 


geschehen. Nach einem erfrischenden Bad im angenehm warmen 


glasklaren Wasser des Sees, nur 100 m von den Zelten entfernt, 


nutze ich die Zeit bis zum Frühstück, um ein bißchen in den 


Hochglanzprospekten des Malawischen Touristenamtes zu lesen.





Lake Malawi erstreckt sich beinahe 570 km in Nord-Süd-Richtung 


und macht etwa ein Fünftel des Staatsgebietes aus. An manchen 


Stellen ist der See 80 km breit. Ein Erdriß, der sich vom Toten 


Meer im Nahen Osten entlang Ostafrikas bis zum Zambezi erstreckt, 


wird "Great Rift Valley" oder "Großer Grabenbruch" genannt. Lake 


Malawi ist der südlichste der langgestreckten Seen, die sich 


entlang des Grabenbruches gebildet haben und der drittgrößte 


Afrikas. Er wird durch den Shire-River, der in den Zambezi 


fließt, in südlicher Richtung entwässert. Mozambique umschließt 


Malawi im Osten, Süden und Südwesten, die Staaten Zambia und 


Tanzania liegen westlich bzw. nordöstlich von Malawi.





In einem hübsch angelegten Museum des "Lake Malawi National Park" 


ganz in der Nähe des Campingplatzes "Golden Sands" kann ich 


verfolgen, wie unser Planet sich aus dem "Gondwanaland" zur 


heutigen Form entwickelt hat. Die Geologen denken sich die 


künftige Entwicklung Afrikas so, daß sich im Laufe der Zeit 


Ostafrika genau an diesem Grabenbruch von Rest- Afrika abtrennt.





Während ich meine Unterlagen studiere, haben zwei Schwarze das 


Lagerfeuer in Gang gebracht. Nach und nach krabbeln die anderen 


Teilnehmer der Abenteuerreise aus den Zelten und baden Teebeutel 


in Plastiktassen mit heißem Wasser. Rührei mit Speck und getoa-


stetes Weißbrot gibt es, und dann geht schon das Programm los: 


Schnorcheln.





Mit einem traditionellen Fischerboot erreichen wir die langge-


streckte Insel "West Thumbi Island". An einer leicht schrägen 


Felsplatte legen wir an und gleiten mit Flossen und Taucherbrille 


bewaffnet ins glasklare Wasser. Hunderte von bunten tropischen 


Fischen, 5 bis 20 cm lang, bevölkern die Bucht. Sie werden 


"Mbuna" genannt und gehören in die Familie der "Cichlids". Die 


Mbunas sind ganz und gar nicht scheu, und so kommt es, daß ich 


mich mitten im Schwarm vorwärtsbewege. Die Fischlein holen ihre 


Nahrung von mit Algen bewachsenen glatten Felsen. Nur der 


Fachmann kann die ca. 350 verschiedenen Arten auseinanderhalten. 


Wenn bestimmte Fische dieselbe Farbe und Musterung haben, kann er 


zum Beispiel an dem Winkel, wie sie vom Felsen fressen, feststellen,


welche Mbuna-Art dies ist.





Wegen des herrlich warmen Wasser kann man viel länger als am 


Indischen Ozean in Natal schnorcheln, doch schon haben sich 


einige Taucher beim Lagerfeuer versammelt, um eine zünftige 


"Brotzeit" zu verzehren. Zwei, drei Einbäume kommen auf unsere 


Felsenplattform zu. Die sie paddelnden Eingeborenen verkaufen 


einfachen Schmuck, der aus Draht und Pflanzensamen kunstvoll 


gefertigt wurde. Sie brauchen das Geld, um für ihre Schulbildung 


zahlen zu können. Wir bekommen noch anderen Besuch: Knallbunte 


"Lizards", Eidechsen, huschen von der prallen Sonne in Felsrit-


zen, wenn sich ein Mensch ihnen nähert. Unglaublich, welche 


Schockfarben die Natur erzeugen kann: Stahlblau, knallgelb, 


leuchtend rot schillern die Tiere schon von weitem.





Die Sonne läßt nicht mit sich spaßen. Obwohl mit einer wasserfe-


sten Sonnencreme eingeschmiert, haben wir alle noch eine Woche 


später einen hübschen Sonnenbrand am Rücken. Am späten Nachmittag 


startet unser Fischerboot wieder Richtung Campingplatz, immer der 


Küstenlinie entlang. Alle 100 m sitzt ein braun- weißer Schrei-


seeadler, immer in gleicher Höhe vom Wasser entfernt, auf einem 


Baum. Doch kaum einer rührt sich. Sie warten wohl auf den frühen 


Abend, dann werden sie aktiv.





Am Sandstrand des Campingplatzes angekommen, mache ich mich auf, 


um das Fischerdorf Chembe zu besuchen. Ich wandere entlang der 


staubigen Dorfstraße, in der ab und zu mächtige Baobab- Bäume 


(Affenbrotbäume) stehen. Im Schatten eines solchen Baumes setze 


ich mich nieder und bin bald von einer Anzahl von Jungen umringt. 


Erst fragen die Burschen mich aus, dann ich sie. Jeder hat seine 


eigene Geschichte. "Was macht Ihr denn in den Osterferien ?" 


frage ich.





"We're looking for business!" kommt die Antwort. Sie versuchen 


also Geschäfte zu machen. Ich wundere mich, wie die 9 - 12- 


Jährigen Geschäfte machen wollen. "Wir organisieren was. Zum 


Beispiel zeigen wir Fremden, wo die besten Holzschnitzarbeiten zu 


finden sind. Oder wir vermitteln jemanden, der die Wäsche der 


Touristen waschen kann. Wir kennen auch Leute, die gut Fleich 


grillen können."





Einer der Burschen scheint mir besonders clever zu sein. Er ist 


zehn Jahre alt, geht jedoch nicht zur Schule. Warum nicht? Kein 


Geld, behauptet er. Der Vater hat keine Arbeit, die Mutter ist 


gestorben. Jetzt fällt mir der tote Ausdruck in seinen Augen auf.





Ich verabschiede mich von der Gruppe. Das Dorf sieht recht sauber 


aus. In manchen Hinterhöfen stehen Zelte, und Autos mit südafri-


kanischen, zimbabwischen und zambischen Nummern. Offenbar ist der 


Tourismus hier im Nationalpark nicht nur auf unseren Campingplatz 


beschränkt. Sogar einige Restaurants gibt es hier. Einige Meter 


weiter ein Gebäude aus Stein, mit dem Schild "Steven's Rest 


House" davor. Langhaarige braungebrannte junge Menschen, sicher 


keine Malawier, sitzen auf Bänken und lassen sich Bier und Coke 


schmecken. Offenbar ein Hippie- Treff. Diese Vermutung wird 


später bewiesen, als ich einen Australier treffe, der mir 


Haschisch anbietet.





Da, ein Fotomotiv: Im Halbschatten eines Baobab- Baumes lagert 


eine Gruppe von Frauen und Kindern. Ein Mädchen stampft Maiskör-


ner in einem hölzernen Mörser. Ich setze mich zu den Leuten, 


plaudere ein bißchen und deute auf mein "Motiv". Offensichtlich 


darf ich fotografieren. Nach dem "Schuß" verabschieden wir uns 


freundlich. Plötzlich steht ein Mann vor mir, dem eine Art von 


Tumor die linke Gesichtshälfte samt Hals verunziert. Er schnauzt 


mich an: "Was fällt Dir ein, meine Tochter zu fotografieren?" Er 


sieht nicht so aus, als ob er jemals eine Frau gefunden hätte. Er 


rückt näher an mich heran und bedroht mich mit der Faust. Als ich 


mich nicht beeindrucken lasse - obwohl ich schon ganz naß im 


Gesicht bin von seiner feuchten Aussprache- und ich mich zum 


Gehen wende, flucht er lautstark hinter mir her, wobei er das 


internationale F.. - Wort gebraucht.





Als ich später diese Geschichte mehreren Dorfbewohnern erzähle, 


wissen die Bescheid über den Mann mit dem Tumor: "Der ist 


verrückt!"





Die nächsten Tage vergehen mit Schnorcheln und Wandern. Unweit 


des Campingplatzes liegt "Mission Rocks", die Missionsfelsen, die 


an Livingstones frühere Missionsstation erinnern. Dort ist das 


Wasser glasklar, und die Mbuna- Fische zahlreich. Nachts schützt 


mich das Moskitonetz vor allzu gierigen Mücken.





Zwei "Overland"- Trucks, die von London quer durch Afrika bis 


Windhoek fahren, haben sich ebenfalls diesen Campingplatz als 


Zwischenstation ausgewählt.  Seltsam, in einem der 


vierradgetriebenen schweren Fahrzeuge sind nur 2 junge Männer, 


aber 14 Frauen zwischen 17 und Mitte 20. Am Steuer des Wagens 


sitzt ebenfalls eine Frau.





Wir verlassen den Lake Malawi und den Golden-Sands- Campingplatz 


und "genießen" zum ersten Mal unser Monster- Mobil: Ein hochge-


setzter MAN- Allrad- LKW, der auf der Ladefläche Sitze montiert 


hat. Darüber spannt sich eine blaue, eingerissene Plane, die sich 


im Laufe der Fahrt in Einzelteile auflösen wird. Vorne ist man 


durch eine Holzwand vom Fahrtwind geschützt, seitlich ist die 


Sicht frei. Der Fahrer sitzt im Freien.





Die eine Stunde dauernde Fahrt vom See bis zur Teerstraße geht im 


Schrittempo vor sich. Ich wundere mich immer wieder, warum die 


Kiste beim Durchqueren der Wasserläufe nicht umkippt, so schief 


fahren wir die Böschung hinunter. Dieses völlig neue Fahrgefühl 


ist Anlaß von lautem Gelächter. Was will man auch anderes tun als 


lachen! Als die von Schlaglöchern durchsetzte Straße endlich in 


die Teerstraße mündet, sehen wir eine lange Reihe von Ständen, wo 


die Einheimischen geschnitzte Holz- und aus Binsen geflochtene 


Souvenirs verkaufen.





Auf der Weiterfahrt nach Norden erreichen wir Mangochi, dessen 


schmuckloses Postgebäude sogar auf einer malawischen Briefmarke 


abgebildet zu finden ist. Wir kaufen dort farbenfrohe, technisch 


hervorragend gemachte Briefmarken und Ersttagsbriefe.





Entlang des Lake Malombe führt die Straße weiter nach Süden, bis 


sie in Liwonde den träge dahinfließenden Shire- Fluß überquert. 


Unser Ziel ist der Liwonde- National- Park, der auf der östlichen 


Seite des Shire- Flusses eine Vielzahl von verschiedenen Land-


schaften bedeckt: Sumpfgebiet in der Nähe des Flusses, Grasland 


und Mopane- Baum- bestandenes Waldland in den höher gelegenen 


Gebieten.





In Liwonde kaufen wir auf dem Markt ein. Joe klettert zurück in 


unseren Monster- Truck und berichtet: "Die Einheimischen sagen, 


daß der Liwonde- Nationalpark nicht erreichbar ist, da bei den 


letzten Regenfällen die einzige Brücke über den Shire, die zum 


Park führt, weggeschwemmt wurde. Wir werden deshalb nicht im 


Park, sondern auf einem Campingplatz in der Nähe übernachten."





Wir sind nicht gerade happy. Am frühen Nachmittag erreichen wir, 


270 km vom Lake Malawi entfernt, eine Hotel- Ansiedlung, die 


"Kudya Discovery Lodge". Neben der Einfahrt steht ein uniformier-


ter Malawier, dessen Aufgabe nichts anderes zu sein scheint, als 


militärisch zu grüßen und vereinzelt ankommende Autos in ein 


bestimmtes Tor zu winken.





Neben dem Shire- Fluß parkt unser Truck. Alle Teilnehmer versam-


meln sich im winzigen Schatten, das das Fahrzeug wirft- denn in 


der glühenden April- Sonne ist es kaum auszuhalten. Neben der 


vergammelten Bar des Hotels liegt ein Pool mit trübem, sehr 


warmem Wasser. Dennoch scheint dies die einzige Möglichkeit, 


etwas abzukühlen. Eine Viertelstunde später bin ich das zweite 


Mal von einem Wasserinsekt gestochen oder gebissen worden, das 


sich unter der Schwimmbadumrandung versteckt gehalten hat. Als 


ich die seltsame Brühe in einer Dusche abspülen will, werde ich 


von starkem Toilettengeruch empfangen. Offenbar wird hier selten 


geputzt. Die Umkleidekammer ist verschlossen. Das Wasser aus der 


Duschbrause fließt spärlich, später wird es ganz versiegen.





Die Teilnehmer der Expedition stellen die Zelte auf. Ich hänge 


mein Moskitonetz unter einem Baum auf. Als dann der Mond über den 


Hügeln des Liwonde-Nationalparks auf der anderen Seite des Shire 


aufgeht, glänzt das Mosiktonetz silbern. Tiefe Ruhe senkt sich 


über die Landschaft.





Beim Abendspaziergang in der Hotelanlage treffe ich eine Gruppe 


von Gestalten, die sich angeregt unterhalten und auf eine Stelle 


auf dem Rasen vor ihnen deuten. Ein Koloß von Flußpferd weidet da 


direkt vor uns auf dem Kikuyu-Zierrasen! Das sei jede Nacht so, 


erklärt ein Hotel-Bediensteter. Sobald die Temperatur abends 


sinkt, kommen die Hippos aus dem Fluß und weiden auf dem 


Hotelrasen. Das erklärt auch, warum dieser so zerrupft aussieht!





Ich schleiche mich vorsichtig zum Campingplatz zurück, damit ich 


nicht versehentlich mit einem Hippo zusammenstoße. Es ist außer 


Frage, wer bei einem solchen Zusammenstoß der Stärkere sein wird. 


Bekanntlicherweise kommen im südlichen Afrika mehr Menschen durch 


Hippos als durch Krokodile ums Leben.





Ach wie ist es schön, unter einem Moskitonetz auf einer Isomatte 


zu liegen, den riesenhaften Mond zu betrachten und die Geräusche 


der Natur aufzunehmen: Grillen zirpen, Hippos blasen geräuschvoll 


die Luft aus den Nüstern, wenn sie aus dem Fluß auftauchen, 


Moskitos summen außerhalb des Moskitonetzes und stecken gierig 


ihre Saugrüssel durch die Maschen.





Nachts, es mag kurz nach 2 Uhr sein, wache ich auf. Es juckt in 


den Ohren. Auch die Haare scheinen sich zu bewegen. Ein Griff zur 


Taschenlampe. Nein! Unfaßbar! Tausende von kleinen braunen Amei-


sen laufen kreuz und quer auf der Isomatte, auf meinem Schlaf-


sack, auf mir herum. Ich schüttle ein paar Hundert aus den 


Haaren, und überlege, wie ich die Plage loswerde. Ich Blick auf 


das Moskitonetz belehrt mich, daß ich die Wahl habe: Ameisen, die 


nicht allzu lästig sind, oder Moskitos, die Überträger von 


Malaria sind und die sich auf mich stürzen, wenn ich aus dem Netz 


herauskrabble.





Nach einer mehr oder minder durchwachten Nacht erlebe ich einen 


der schönsten Sonnenaufgänge. Morgenstimmung schon ab halbsechs. 


Die Hippos sind vollgefressen und schon längst wieder im Wasser. 


Die Ameisen, denen es langsam zu warm wird, verkriechen sich 


wieder unter die Erde. Die Feuchtigkeit hatte sie herausgelockt. 


Tau liegt überall, als ich die restlichen Ameisen aus allen 


Körperöffnungen und den Haaren dusche. Die Dusche beim Pool geht 


nicht, deshalb wurde uns ein Zimmer im Hotel zugewiesen, wo die 


ganze Gruppe duschen kann.





Wie geht es im Programm weiter? Das ist die Frage. Da ein 


Reiseleiter fehlt, und der Fahrer und Koch Joe wenig Initiative 


zeigt, organisieren wir eine Bootsfahrt auf einem motorgetriebe-


nen Katamaranboot auf dem Shire-Fluß. Daß wir diese Fahrt auch 


noch teuer bezahlen müssen, paßt uns nicht. Doch die Alternative 


wäre ein weiterer heißer Tag auf dem Campingplatz. Der nächste 


Programmpunkt ist erst am morgigen Tag vorgesehen.





Unser Boot gleitet den Shire flußaufwärts. Auf der westlichen 


Seite Fischerhütten, ausgebreitete Netze und Gestelle, auf denen 


Fische getrocknet werden, auf der östlichen, der Nationalpark- 


Seite, unberührte saftiggrüne Landschaft. Eine Vielzahl von 


Vögeln, darunter der nach Insekten spähende, häufig vorkommende 


"Europäische Bienenfresser", hat sich im dichten Schilfgürtel 


versteckt. Schreckhaft fliegen "Kingfisher" (Eisvögel) und Kormo-


rane auf, während Schreiseeadler majestätisch von Ihrer hohen 


Warte ungerührt auf das vorbeiziehende Boot schauen.





Alle paar Minuten wird die sonst spiegelglatte Oberfläche des 


Shire (gesprochen "Schiri", nicht etwa englisch "Scheier") von 


einer Vielzahl von kleineren, paarweise zusammenstehenden Aus-


buchtungen unterbrochen. Das Wasser scheint von Hippos zu wim-


meln. Denn dies sind die Augen, Nasen und Ohren der Tiere, die 


sich tagsüber am liebsten auf dem Grund eines Gewässers aufhal-


ten. Als wir uns ihnen nähern, tauchen ein paar von ihnen auf, 


blasen Luft aus, und verschwinden sofort wieder unter der 


Wasseroberfläche. Manchmal muß der Bootsführer über eine Herde 


fahren. Entrüstet kommen die Hippos hinter dem Boot hoch. Ein 


mächtiges Maul hat so ein Hippo, wenn es gähnt! Richtig furcht-


einflößend. Hoffentlich weiß der Steuermann, was er da tut!





"Wolfgang, komm rauf", höre ich eine Stimme über mir. Über eine 


Leiter klettere ich in den ersten Stock des Bootes. Von hier hat 


man einen prächtigen Blick über die Landschaft des Nationalparks. 


Man sieht über den bis zu vier Meter hohen Schilf- und Papyrus- 


Gürtel hinweg.





Aufgeregte Stimmen. "Dort hinten, schau mal!" Ganz in der Ferne 


ein dunkler Punkt, der sich scheinbar bewegt. Im Fernglas 


entpuppt er sich als Elefant, der sich gemächlich vorwärtsbewegt, 


und dabei offenbar Insekten mit seinen mächtigen Ohren wegwedelt. 


Das möchte ich jetzt auch können, denn die Gruppe wird von einer 


Art Pferdebremse belästigt. Allerseits wird über juckende Stiche 


geklagt. "Hippo-flies", meint der Bootsführer lakonisch, während 


sein Helfer mit seinem ölverschmierten Lappen die Viecher zu 


erwischen versucht. "Flußpferd-Fliegen".





Zweieinhalb Stunden Fahrt sind vergangen, die Sonne brennt schon 


unbarmherzig, als am linken Ufer eine blaugekleidete Gestalt aus 


dem dichten saftigrünen Dschungel winkt. Der Steuermann hält 


darauf zu. Der Eigentümer des Bootes ist es, ein Weißer. Über 


eine in den Schlamm gerammte Leiter steigen wir ans sichere Ufer. 


Ein VW Golf steht da. Er ist über den gerade PKW- breiten Pfad 


mitten durch den Dschungel hierher gefahren. "Euer Truck steht 


schon bereit. Möchtet Ihr mit uns mitfahren?" will er von uns 


wissen. Wir trauen der Sache nicht. Vielleicht müssen wir sogar 


schieben, wenn der VW nicht mehr durchs Dickicht kommt. Wir 


wählen den Fußmarsch. Gut gewählt! Eine derart vielfältige und 


wildwuchernde Pflanzenwelt habe ich schon lange nicht mehr 


gesehen! Hoch über uns schlägt das Pflanzendach zusammen, die 


Sonne kommt nur noch gedämpft bis zum Dschungelboden. Feuchtheiß 


ist es hier. Eine seltsame Blüte ragt aus dem kunterbunten 


Durcheinander der sich windenden und verknotenden Pflanzen her-


aus: Eine knallgelbe Blüte, mit fingernagelgroßen knallroten, 


klebrigen Samen.





Wie vermutet, hat der Golf Schwierigkeiten, den Dschungelpfad zu 


fahren. Wir erreichen das Auto, als der Fahrer gerade die 


verlorengegangene Stoßstange auflädt bzw. ins Wageninnere ver-


staut. Eine halbe Stunde später finden wir Joe und den Truck am 


Rande des Urwaldes vor. Zerwühlte rote Erde und ein abgerissener 


Außenspiegel zeugen von seinen Versuchen, den Urwaldpfad bis zum 


Shire zu fahren.





Etwa einhundert Einheimische sitzen im Schatten eines Ziegelge-


bäudes, das als Einkaufsladen dient, und starren uns und den 


Truck verwundert an. Solch ein Koloß war noch nie in ihrer 


Gegend!





Der Rückweg zur Teerstraße ist ein wenig schmaler als der Truck 


breit. Joe muß all seine Fahrkünste aufwenden, um da 


durchzukommen. Gottseidank regnet es nicht, sonst wäre an ein 


Weiterkommen nicht zu denken. Hier scheint die Zeit 


stehengeblieben zu sein. Vereinzelt Hütten am Wegesrand, teils 


aus gestampften Lehm-, teils aus gebrannten roten Ziegeln gefer-


tigt. Jede Hütte hat ihr eigenes Maisfeld, ein kleines Tabakfeld, 


Avocado- und Papayapflanzen. "Branches: "Zweige", hört man immer 


wieder durch das Heulen des Motors. Dann ist es an der Zeit, 


möglichst schnell von der Außenseite des Aufbaus wegzurücken, und 


die Hände schützend über den Kopf zu halten, denn ein Peitschen-


hieb durch das seitlich offene Gefährt ins Gesicht hat manchen 


schon gelehrt, vorsichtig zu sein.





Am Wegesrand kaufen wir Melonen und gelbe Riesengurken. Vor dem 


Abendessen macht ein Teil der Gruppe einen Ausflug in eine 


Gerberei. Die Nacht ist von einem weiteren Zusammenstoß mit 


Ameisen geprägt. Auch die in den Zelten Schlafenden beklagen sich 


über Attacken der kleinen braunen Dinger.





Tags darauf führt uns eine geteerte Straße über einen Bergpaß 


nach Zomba, der alten Hauptstadt Malawis. Ein Stück nach dem Paß 


kann man übrigens gut und günstig am Straßenrand traditionell 


geschnitze Malawi- Stühle kaufen. Vorteil dieser Stühle ist, daß 


man sie leicht in zwei Teile flach zerlegen und daheim sogar 


darauf sitzen kann. Die Lehne ist mit Motiven aus dem Sagen- und 


Pflanzenreich verziert.





Auf dem berühmten Markt von Zomba gibt es alles für Einheimische 


(von gebrauchten Schuhen und neuen Hemden bis zu getrockneten 


Fischen) und Touristen (vom Schachspiel mit kunstvoll geschnitzen 


Figuren bis zum "Sangoma" - Zauberdoktor aus Ebenholz).





Aufdringliche Händler, wie außerhalb des mit Maschendraht 


eingefaßten Gebietes, gibt es hier auf dem Markt nicht. Jeder 


Händler hat einen eigenen Stand, und muß pro Tag eine geringe 


Gebühr bezahlen. Am Pfosten angebracht flattern die Quittungen an 


einem rostigen Nagel aufgespießt im Wind.





Die Bauten des sauber und neu aussehenden Fischmarktes, Teil des 


Zomba- Marktes, wurde - so sagt ein glänzendes Messingschild- von 


einer kanadischen Hilfsorganisation gespendet. Überhaupt scheint 


sich hier in Zomba die Welt zu treffen. Als ich durch die Straßen 


schlendere, lese ich auf vorbeifahrenden vierradgetriebenen, 


recht teuren Wagen Aufschriften wie: "UNICEF", "UNHCR" 


(Flüchtlingshilfwerk der Vereinten Nationen), "South- Africa - 


Malawi Wildlife Society", usw.





Die durchwegs geteerten Straßen werden gesäumt von einstöckigen 


Gebäuden, die überdimensionale Aufschriften tragen. Jeder zweite 


Laden scheint einem Muslim zu gehören, und eine herrliche Moschee 


schließt eine bergauf strebende Straße ab. Der Islam hat in 


Malawi kräftig Fuß gefaßt. Jedes kleine Dorf am Straßenrand hat 


seine Moschee, Mittelpunkt des islamischen Glaubenszentrums. In 


vielen Dörfern sieht man ein paar Häuser neben dieser Einrichtung 


eine christliche Kirche.





Zurück zum bunten Treiben in Zomba: Vor einem Tuchgeschäft sitzt 


- eine Szene, die mich an Kashmir oder an die Türkei erinnert- 


ein Schwarzer mit einer weißen Muslim- Kopfbedeckungan einer 


Singer- Nähmaschine. Der interessierte Kunde geht in den Laden, 


kauft sich den passenden Stoff, und während er ein Täßchen Tee 


mit dem Besitzer des Ladens trinkt, wird das bestellte Klei-


dungsstück zusammengenäht.





Eine geteerte, schmale, einspurige Einbahnstraße führt zum Zomba- 


Plateau hoch, vorbei an der mit doppelter Mauer geschützten 


Residenz des "Präsidenten auf Lebenszeit" Banda. In früheren 


Zeiten, als die andere Straße noch nicht angelegt war, war die 


Strecke alternierend stundenweise für den Berg- und Talverkehr 


geöffnet. Unser MAN- Truck driftet haarscharf am Abgrund vorbei. 


Der Geruch von Getriebeöl liegt in der Luft. Dies trägt nicht 


gerade dazu bei, daß ich mich wohlfühle.





Das ganze Zomba- Plateau ist ein durch und durch grünes Waldre-


servat, von klaren Gebirgsbächen durchströmt. Eine Vielzahl von 


bunten Wildblumen wächst zwischen Kiefernbäumen, Schirmakazien, 


Farnen und Schlingpflanzen. Hier trifft man Angler an künstlich 


errichteten Staudämmen, z.B. dem Mulunguzi-Damm.





Nachdem wir unsere Zelte auf dem kleinen überfüllten Campingplatz 


aufgeschlagen haben, folgen wir einem jugendlichen Führer zu 


einer Wanderung zum Rand des steil abfallenden Plateaus. Eine 


atemberaubende Sicht auf die friedliche Landschaft, auf die 


Mulanje- Berge in der Ferne und die Stadt Zomba belohnt uns für 


die zweistündige Plackerei bergauf. Am Rückweg passieren wir eine 


Reihe von Wasserfällen. Weil wir spät losgewandert sind, müssen 


wir das letzte Stück zum Camp in völliger Dunkelheit hinter uns 


bringen. Der Abend ist frisch und kühl. Joe hat mit Hilfe von 


Redson, dem zweiten uns begleitenden Malawier, das Abendessen 


zubereitet. Leider bin ich von dem Gerüttel und Geschüttel, 


vielleicht auch vom unsauberen Wasser in Liwonde so krank, daß 


ich mich, nachdem der Farn mein Mittagessen abbekommen hat, ohne 


Essen ins Zelt verdrücke.





Am nächsten Morgen bekommt man auf dem Weg zur Toilette nasse 


Füße: Das Gras ist klitschnaß vom Tau. Der Truck schüttelt uns 


wieder nach unten. Dort ist letzte Gelegenheit, Souvenirs einzu-


kaufen. Joe und Redson kaufen im Supermarkt Getränke und Lebens-


mittel. Ich habe inzwischen all meine Hemden, Hosen, Uhren, 


Kugelschreiber und andere Gegenstände gegen Holzschnitzereien 


eingetauscht, und komme vollbeladen zum Truck zurück. Redson ist 


ganz aufgeregt: Joe's Tasche mit persönlichen Gegenständen ist 


soeben gestohlen worden. Trickdiebstahl, von mindestens zwei 


Burschen ausgeführt.





Auch die Bettelei ist hier wirklich zu aufdringlich! Kinder mit 


verstümmelten Händen oder Beinen in zerlumpter Kleidung halten 


viertelstundenlang die Hand auf und rufen mit weinerlicher Stimme 


"Kwatcha, Kwatcha!". So heißt die hiesige Währung: Ein Kwatcha 


wird in 100 Tambala geteilt. Den jungen Malawiern wird folgendes 


gelehrt: 100 Tambala (Göckel) künden einen Kwatcha (Morgenröte) 


an.





Was nun folgt, fördert nicht unbedingt den guten Gesundheitszu-


stand der Mitfahrenden: Vier Stunden lang rüttelt der Truck uns 


durch "Countryside", also ländliches Gebiet, und zwar auf von 


durch Schlaglöchern übersäte und von tiefen Furchen durchzogene 


Lehm- Schotterstraße Richtung Mulanje- Gebirge. Eine grüne, 


fruchtbare Landschaft. Wir überqueren wassergefüllte Bachläufe. 


In den kleinen Dörfern hängen vor manchen Häusern Schilder mit 


der Aufschrift "Tearoom". Die Dorfbewohner haben offenbar mit 


Fahrrädern Verbindung zur Außenwelt. Außer den üblichen "General 


Stores" (Tante- Emma- Läden) findet sich in jedem größeren Dorf 


eine strohgedeckte Hütte mit einem Haufen von Fahrrädern davor: 


Hier werden Fahrräder verkauft und repariert.





Außerhalb der Dörfer wird die Straße von strohgedeckten Ziegel-


häusern gesäumt. Was man zum Leben braucht, wird angepflanzt: 


Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Avocados, Papayas, Zwiebeln, Gurken, 


Zuckerrohr, Tabak, der gleich neben dem Haus getrocknet wird. Und 


was man nicht braucht, wird an Ort und Stelle vor der Hütte 


ausgebreitet: Es kommt immer jemand, der dies oder das kaufen 


will.





Hier ist nochmals zu wiederholen: Wir sitzen sehr hoch über der 


Straße, und der Truck hat keine nennenswerte Federung. Jede 


Bodenunebenheit spüren wir doppelt. Die Kiste schwankt wie in 


starkem Seegang. Als wir am Fuße des Mulanje-Gebirges ankommen, 


sind wir alle seekrank. Doch wir dürfen uns nicht beschweren. Wir 


sind selbst schuld, mit Drifters verreist zu sein. Steht doch im 


Briefkopf von "Drifters Adventure Tours": "Roughing it and loving 


it", frei übersetzt: "Je rauher, je lieber".





Das Mulanje- Gebirge steht als steiler Granitblock in der 


zentralafrikanischen Landschaft, etwa 75 km von Blantyre ent-


fernt. 3000 m hoch über dem Meeresspiegel liegt sein Gipfel. 


Diese Höhe beeindruckt umso mehr, als die umgebende Ebene nur 600 


m hoch ist. Wolken hüllen die Spitze des Massivs ein, als wir an 


der Likahula-Forststation ankommen. Welch ein Luxus! Eine Anzahl 


von sauberen Zimmern mit Elektrizität und Moskitonetzen, die über 


richtigen, nicht durchgelegenen Betten hängen! Wir können unser 


Glück noch garnicht fassen! Ein Aufenthalts- und Eßraum mit 


bequemen Stühlen und Sesseln, eine Toilette mit Papier (!), eine 


Dusche und Badewanne mit kaltem und warmem Wasser. Ein Koch, der 


Mitgebrachtes zu schmackhaften Menüs zaubert, draußen vor der Tür 


bereitstehende Träger für den morgigen steilen Anstieg zur 


hochgelegenen Übernachtungshütte. Daneben Jungen, die geschnitzte 


Tische aus Zedernholz mit drei Beinen, zusammenhängend aus einem 


Stück gefertigt, verkaufen.





Ostersonntag: Ein Teil der Gruppe verschwindet mit den Trägern, 


die ihr Gepäck auf den Berg schleppen, im Dickicht des Bergwal-


des. Der Rest, unter anderem auch ich, geht ebenfalls bergauf, 


aber nur zum Wasserfall. Dort wird neben einem Felsenbecken, in 


das der Wasserfall mündet, einen halben Tag Rast gemacht. Die 


Hitze der glühenden Sonne kann sich nicht voll auf uns auswirken, 


da wir, am Rand des Pooles sitzend, von der kühlen Brise des 


Wasserfalles gestreift werden. Im glasklaren Gebirgswasser können 


wir uns abkühlen.





Ich bin nach einem kleinen Picknick in süßen Dämmerschlaf 


versunken, da taucht plötzlich am oberen Ende eines kleineren 


Seiten-Wasserfalls eine dunkle Gestalt auf. Und noch eine. 


Behende klettern ein paar Jungen, vielleicht 8-10 Jahre alt, die 


steile Böschung neben dem Wasserfall zu mir hinunter. In einer 


Hand halten sie durchsichtige Plastikbeutel, in der anderen eine 


biegsame Weidengerte mit etwa 5 cm langem Zwirn, ein Haken dran.





Was soll das? Zwei oder drei von ihnen versammeln sich um einen 


kleinen Tümpel, den der weiterfließende Gebirgsbach gebildet hat. 


Sie tauchen die Gerte ins Wasser und pfeifen dabei in abwechelnd 


hohen und niederen Tönen. Mit einem Mal schnellt einer der 


Burschen die Gerte aus dem Wasser. Irgendwas hängt an dem Zwirn. 


Es wird auf den Felsen geschleudert. Das muß ich mir ansehen! 


Vielleicht eine kleine Krabbe. Falsch geraten. Der Junge steckt 


einen welsähnlichen mittelfingerlangen Fisch (mit Schnurrbart) in 


seinen Plastikbeutel, wo schon 10 andere Fische zappeln, und 


macht mit dem Angeln weiter. Vermutlich soll dies zum Ostermahl 


für die Familie beitragen. "Poachers: Wilderer", meint unser 


schwarzer Führer lakonich. Klar, im Naturpark ist Angeln verbo-


ten. Doch wer schert sich darum?





Während die Kleinen weiterfischen, kommt vom Weg leichtbeschwingt 


eine Gruppe Weißer herunter zum Felsenpool, gefolgt von einhei-


mischen Trägern. Die Weißen tragen die Verantwortung, die Träger 


den Grill, Kühltasche, Gasflasche, Sonnenschirm, Stühle und 


Tische. Was jetzt kommt, kenne ich doch irgendwie? Wenn das mal 


nicht Buren sind!? Der Familienvater steht am Grill, in der einen 


Hand die Grillzange, mit der er Steaks umdreht, in der anderen 


eine kleine Bierflasche, den "dumpie". Wie daheim in RSA. Die 


Mutter derweil kümmert sich um vier Kinder, die um sie herum 


tollen. Als sie nach einer gehörigen Portion vertilgten Fleisches 


wieder verschwinden, höre ich von jemandem, daß diese Leute auf 


einen Osterausflug von RSA hierher geflogen sind, wobei sie 


Bekannte in Blantyre besucht haben.





Heute ist nicht nur Ostern, sondern auch "Popo- Tag". Der "weiße" 


Teil davon: Die Mittzwanzigerin aus Durban im engen Bikini, 


Mitglied unserer Gruppe, will ganz braun werden. Seit Stunden 


liegt sie nun schon in der knalligen Sonne. Jetzt entblößt sie 


gerade ihre Po- Backen, um noch mehr Sonne zu bekommen. (Seltsam: 


Es gibt Weiße, die gerne braun werden wollen, doch reiben manche 


Schwarze sich mit Hautbleichern aus dem Supermarkt ein.) Unsere 


Schöne nimmt keine Notiz von den kleinen schwarzen Jungen, die 


grinsen und sich die Hand vor den Mund halten. Einer hat eine 


Hose an, die nur noch aus dem Vorderteil besteht. Der Stoff an 


der Hinterseite der Hose ist völlig zerschlissen, also offen. 


Sein Popo guckt auch raus.





Zurück im Forsthaus lese im Gästebuch illustre Namen, wie 


Mitglieder der Regierung und Verwaltung von Malawi, deutsche 


Botschaftsangestellte, Schätzer der World Bank, usw. Der Abend-


himmel über dem Forsthaus läßt nichts zu wünschen übrig! Hier 


darf sich die Milchstraße wirklich so nennen. An ganz wenigen 


Plätzen habe ich bisher die dunklen Löcher in der Milchstraße so 


deutlich gesehen!





Schon um halbzehn am nächsten Morgen kommen die Hiker, die 


Bergsteiger, von ihrer Wanderung zurück. Sie bringen zwei Nach-


richten mit, eine gute und eine schlechte. Die gute zuerst: Schön 


sei es gewesen, und die Sicht hervorragend, kein Wölkchen. Die 


schlechte: Oben auf dem Berg war ein Kurzwellen- Radiogerät. In 


den Nachrichten wurde berichtet, daß der beliebte Schwarzenführer 


und Chef der Kommunistischen Partei Südafrikas, Chris Hani, 


ermordet worden sei. Teufel auch. Wenn das mal nicht Ärger gibt! 


Hat mir doch ein weißer Südafrikaner vor dem Abflug erklärt: 


Sobald irgendeinem hohen schwarzen Politiker etwas zustößt, kommt 


es garantiert zu Unruhen. Er sollte Recht behalten.





In dem Dörfchen, das an der Hauptstraße eine halbe Stunde 


unterhalb des Forsthauses liegt, wird Ostermarkt gehalten. Die 


Schlachterei ist ein Erlebnis: Auf einem hölzernen Tisch wird 


unter freiem Himmel verkauft, was direkt daneben vom Schaf bzw. 


Rind abgeschnitten wird. Das Tier hängt, fachgerecht aufgeschnit-


ten, mit den Beinen in einer Astgabel festgehängt vom Baum. 


Hundert Meter weiter dringt Lärm aus einem einfachen Ziegelge-


bäude ohne Fenster: Kinder in zerlumpten Kleidern und Frauen 


bringen Säcke von Maiskörnern her, die sie in der Gemeindemühle 


zu Maismehl mahlen lassen. Die Mühle wird mit einem Dieselmotor 


betrieben.





Zwischen Fleischerei und Mühle ist ein großes weißes Plakat 


aufgehängt. Es ruft zum Referendum auf. Sollte das Volk diesmal 


etwas zu sagen haben? Malawi ist chronisch von ausländischem 


Kapital und personeller Entwicklungshilfe abhängig. Nun haben die 


Geldgeber gedroht, den Hahn zuzudrehen (es geht um 74 Millionen 


US$), wenn der als Diktator wirkende "Präsident auf Lebenszeit" 


Dr. Hastings Kamuzu Banda nicht Richtung Demokratie marschiert. 


Zu viele Berichte von Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Haft 


ohne Verurteilung oder Ermordung politischer Gegner, zuviel Druck 


auf die Opposition, keine Pressefreiheit, das sind nur einige 


wenige Sünden der Familie, die Malawi in der Hand hält.





Was besonders stört, kommt in einem Bericht der "Weekly Mail" vom 


September 1992 heraus: Da fliegen südafrikanische Top- Polizisten 


nach Malawi, und helfen Malawis führender Clique, Anti- Regie-


rungs- Demonstrationen zu unterdrücken. Im Mai 1992 kamen während 


solcher Aufstände 40 Menschen ums Leben. Sie wurden erschossen 


oder totgeschlagen.





Dazu kommt: Der "Weltentwicklungsbericht" der Weltbank 1992 


rechnet vor, daß die Sterblichkeitsrate unter 5 Jahren Lebensal-


ter 248 pro tausend Geburten beträgt. Im Vergleich dazu: 40 


weniger im kriegszerrissenen Mozambique, 89 in Südafrika und 72 


in Zimbabwe.





"Malawi ist gesegnet mit fruchtbarer Erde und - normalerweise- 


Regen im Überfluß. Die ländliche Bevölkerung sollte genügend 


Nahrung erzeugen, um sicherzustellen, daß jeder genügend zu essen 


hat", kommentierte kürzlich ein internationaler Entwicklungshel-


fer. "Doch stattdessen werden die Bauern gezwungen, Produkte für 


den Export anpflanzen. Viele haben nicht einmal genügend Grund-


nahrungsmittel, um ihre Familie ein Jahr lang zu ernähren. Als 


Resultat hungern viele ländliche Malawier ein paar Monate im 


Jahr."





Um Geld zu verdienen, bauen Bauern Tabak, Tee und Baumwolle an. 


Dies verkaufen sie an Malawi's einzige Marktorganisation, die 


Banda gehört. Diese Organisation setzt niedrige Einkaufspreise 


fest und verkauft zu einem wesentlich höheren Preis ans Ausland.





Im bevorstehenden Referendum kann der Bürger Malawis nun abstim-


men, ob er das Ein (Malawi Kongreßpartei)- oder Zweiparteiensy-


stem lieber mag. Der Haken dabei: Er kann nur namentlich 


abstimmen. Wenn er falsch (im Sinne der Regierung falsch) 


abstimmt, kann das für ihn negativ sein.





In einem Artikel in der Weekly Mail einige Wochen nach meiner 


Rückkehr aus Malawi wird berichtet, daß nun per Gesetz alle 


Mitglieder der regierenden Partei und alle Wahlhelfer einen 


Freischein erhalten, nach Belieben zu handeln. Sie haben also 


Immunität für alle Vergehen nach dem Bürgerlichen- und Strafge-


setzbuch. Die Regierungs- und damit einzige Tageszeitung "Daily 


Times" wirkt derweil auf der anderen Ebene. In ganzseitigen 


Anzeigen wird die Einparteienherrschaft verherrlicht, und es wird 


Tag für Tag berichtet, daß Einparteienherrschaft Frieden bedeu-


tet. Das ist nicht einmal so falsch, doch gesellschaftlichen 


Frieden um jeden Preis? Frieden als Grundlage des Reichtums einer 


hauchdünnen Oberschicht?





Durch Teeplantagen fahren wir auf einer einspurigen geteerten 


Straße in die größte Stadt und den kommerziellen Mittelpunkt 


Malawis, nach Blantyre. An der Einfahrtsstraße steht rechterhand 


ein protziges Haus. Ein Schild erklärt den Zweck des Gebäudes: 


Zensurbehörde. Im örtlichen Zeitungsgeschäft finde ich auch meine 


Lieblingszeitung aus Südafrika, die fortschrittliche Wochenzei-


tung "Weekly Mail" wieder. Seltsam, da sind wohl die Motten drin. 


Ganze Textstücke sind von den Motten der Zensurbehörde fein 


säuberlich ausgeschnitten worden. Wir sind enttäuscht, denn auf 


dem Markt für Souvenirs finden wir nur zweitklassige Holzschnit-


zereien zu überhöhten Preisen. Jetzt erst informiert uns Joe, daß 


die Verkäufer nach Zomba, Mulanje und Liwonde fahren, um dort 


einzukaufen. Ein richtiger Reiseleiter hätte Drifters wirklich 


gutgetan. Die richtige Information zur rechten Zeit zeichnet eine 


gute Reiseleitung aus.





Im reichhaltig ausgestatteten Supermarkt, der im modernen Ge-


schäftsviertel Blantyres steht, kaufen wir Malawi- Tee und -


Kaffee ein, auch ein Fläschchen Malawi- Gin ist dabei.





Dann verlassen wir Blantyre, um im Vorort Limbe unser Hotel 


aufzusuchen. Es steht inmitten eines wohl reicheren Viertels: 


Jedes Haus hat im Vorgarten eine riesige Satelliten- Schüssel zum 


Fernsehempfang ausländischer Sender, denn Malawi selbst hat 


(noch) kein Fernsehen.





Alle 13 Weißen und unsere beiden Malawier, Joe und Redson, fallen 


mit knurrendem Magen zum Abendessen in einem Restaurant neben 


dem Hotel ein, angemeldet natürlich. Die computergedruckte Spei-


sekarte verspricht ein kulinarisches Vergnügen zu hervorragend 


günstigen Preisen. In kürze: Die letzten erhalten 2 1/2 Stunden 


nach Bestellung ihr Essen, Fisch kam lauwarm, und zu schlechter 


Letzt gibt es bei der Bezahlung abrechnungstechnische Probleme, 


da der "Buchhalter" auf Osterurlaub ist. Joe setzt es dann doch 


durch, daß wir als Entschädigung die Service Charge 


(Bedienungsgeld) nicht zahlen brauchen. Nach dieser Enttäuschung 


lassen wir uns in der Lounge des Hotels noch ein paar der 


hervorragenden malawischen Bierchen aus dem Supermarkt schmecken.





Der letzte Tag ist Reisetag. Nach dem Abschiedsfoto im Vorgarten 


des Hotels mit dem Truck zum Flughafen von Blantyre. Tohuwabohu 


bei der Abfertigung am Flughafen - alle Passagiere und Flughafen-


angestellte laufen, vor und hinter dem Abfertigungsschalter, quer 


durcheinander. Von Sicherheit der bereits aufgegebenen Gepäck-


stücke keine Spur. Irgendwie jedoch erhält jeder von uns seine 


Tickets und die Bordkarten, die letzteren handgeschrieben. Plötz-


lich habe ich zwei Bordkarten in der Hand. Eine ist für den Flug 


von Lilongwe nach Joburg.





Ein kurzer Flug in niedriger Höhe bringt uns in die Hauptstadt. 


Dort müssen wir aussteigen. Beim Verabschieden erwähnt die 


Stewardess so nebenbei, daß sie gleich weiter nach Joburg fliegt. 


Im selben Flugzeug.





Das hindert die Fluggesellschaft Air Malawi nicht daran, alle 


Gepäckstücke aufs Flugfeld zu kippen, wo sie von den Passagieren 


identifiziert werden und dann wieder eingeladen werden müssen.





"Alle ausreisenden Fluggäste müssen 10- US$ Flughafengebühr 


(Service Charge) bezahlen." Originalton Drifters. Als ich mich 


vor dem entsprechenden Schalter anstelle, leuchtet mir ein Schild 


"20 US$" entgegen. Ich habe nur noch 10 Dollar in Banknoten, doch 


findet sich in der Geldbörse noch ein 10 Dollar- American-


Express- Traveller- Cheque. Nun bin ich dran. "We are boarding 


now", ruft eine Dame in der Uniform der Air Malawi über die 


Schlange der Wartenden hinweg. Das bringt Unruhe . Wir sollten 


schon seit einer halben Stunde in der Luft sein.





Ich reiche meinen Paß und das Geld über den Schalter. Die Hand 


des Beamten weist zum anderen Schalter: "Wir nehmen keine 


Reiseschecks, wechseln Sie drüben."





"Drüben", das bedeutet eine andere lange Schlange vor dem 


Schalter der "Bank of Malawi". Ich stelle mich hinten an. Vor mir 


ein schwarzer Geschäftsmann aus Botswana, der die Sache gelassen 


zu nehmen scheint. Während ich die zähflüssige Abfertigung 


abwarte, erinnert die Air Malawi- Dame noch ein paarmal laut-


stark, daß man abzufliegen beabsichtige. Das kann jedoch den 


Bankbeamten nicht bewegen, schneller zu arbeiten. Ich reiche 


meinen Traveller- Schecks über den Schalter. Dann muß ich zwei 


längliche Formulare mit je 3 Durchschlägen ausfüllen. Da ich eine 


10- Dollar- Banknote will, muß ich einen horrenden Betrag in 


südafrikanischen Rand als Umtauschgebühr bezahlen. Die Rand 


müssen jedoch zuerst umgetauscht werden: Eigener Wechselbeleg in 


drei Ausfertigungen und Umtauschgebühr. Eine Beschwerde in dieser 


Situation ist nicht nur sinnlos, sondern kann eine erhebliche 


Verlangsamung der Abfertigung hervorrufen.





Die Abflughalle ist nun leer. Augenscheinlich bin ich der letzte 


Fluggast nach Joburg. Ich bekome nun eine Gebührenmarke über 20 


Dollar, rase nach oben, um meine Ausreiseformalitäten zu erledi-


gen, und stelle mich zum "Abtasten" an. Dort finde ich all die 


wieder, die ich schon längst im Flugzeug vermutete. Ich werde in 


eine dunkle Kammer eingelassen, wo mich ein Beamter freundlich 


fragt, ob ich nicht etwas Malawi- Geld für ihn hätte. Als ich 


verneine, prüft er mein Handgepäck und läßt mich einen Zettel 


unterschreiben, daß er mich gut behandelt hätte.





Draußen stehen mehrere Gepäckwagen. Ich kann eines meiner 


Gepäckstücke nicht finden. Wo es nur sein mag? Mit einem 


Flughafenmitarbeiter haste ich die Gebäude entlang, doch ich 


finde nichts. Ärgerlich könnte man schon werden! Völlig ver-


schwitzt lande ich endlich auf meinem Sitz im Flugzeug. Ge-


schafft! Mit 1 1/2 Stunden Verspätung hebt die Boeing 737 ab. 


"Sie können von Glück reden, daß Sie mitfliegen durften", meint 


der Passagier, der hinter mir sitzt. Als ich die Stirn runzle, 


erklärt er: "Der gestrige Flug fiel aus. Deshalb wollten heute 2 


Flugzeugladungen mit einem Flugzeug mitfliegen!"





Glück gehabt. Mit Air Malawi ist eben alles möglich. Neben mir 


sitzen zwei nicht ganz weißhäutige Mädchen. "Wir kommen aus 


Blantyre und fliegen nach Durban", erzählt eines der etwa 13- 


jährigen Fräuleins. So jung und schon so weit alleine fliegen, 


denke ich mir? "Ja, wir gehen in eine Heimschule in der Nähe von 


Pietermaritzburg in Natal, eine der drei besten Schulen in 


Südafrika. Unser Papa ist Fuhrunternehmer in Blantyre. Hier ist 


seine Visitenkarte". Auf der Karte steht "Ferreira". "Das klingt 


aber portugiesisch", vermute ich. "Klar, Papa ist Portugiese, in 


Mozambique geboren!"





"Euer Vater muß aber viel Geld haben, wenn Ihr nach Südafrika in 


die Schule fliegen könnt! Wie hoch ist das Schulgeld?" möchte ich 


wissen. "Für jede von uns im Vierteljahr 4.000 Rand (2.000 DM)", 


erwidert sie in bestem British-English.





Als wir uns in Joburg verabschieden, müssen die beiden nach der 


Einreisekontrolle gleich weiter in den nächsten Flieger nach 


Durban.





Epilog: Ich erhalte alle meine Gepäckstücke, die ich in Blantyre 


aufgegeben habe, in Joburg zurück, wenn auch die Umhüllung aus 


Müllsäcken in Fetzen ankommt. Mein Auto wartet, allen Unkenrufen 


zum Trotze, nach 10 Tagen unbeschädigt auf dem Parkplatz auf 


mich. Trotz der Ermordung des populären Schwarzenführers Chris 


Hani habe ich keine Schwierigkeiten, nach Pretoria zu kommen. 


Gleich nach Ankunft zuhause faxe ich an den Reiseveranstalter 


Drifters die Bitte, den Preis für das Flugticket Lilongwe - 


Monkey Bay zu erstatten. Nach zwei weiteren Fax und drei Wochen 


erhalte ich die Nachricht, daß Air Malawi sich weigert, irgend-


eine Erstattung zu leisten, da wir fünf "Zurückgebliebenen" ja 


per Bus an unseren Bestimmungsort gebracht worden seien. Weitere 


Beschwerden sind -da Verbraucherschutzgesetze fehlen- zwecklos.





Fünf Mitglieder unserer Gruppe sind an Malaria erkrankt, davon 


vier sofort und eines erst vier Wochen nach der Rückkehr, obwohl 


sie -drei verschiedene- hier gebräuchliche Tabletten eingenommen 


haben.








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Infos 


Malawi-Daten November 1992:


Einwohner: 8,5 Millionen


Fläche: 118.484 qkm


Regierung: Dr. Hastings Banda, Präsident auf Lebenszeit seit Juli 


1966, regierend seit 1964





wichtigste Importe: Ölprodukte, Fahrzeuge


wichtigste Exporte: Tabak, Tee, Zucker


wichtigste Handelspartner: Südafrika, England








günstige Übernachtung in Limbe, Schwesterstadt zu Blantyre:





Villa Comfort


Box 51314


Limbe, Malawi


Tel. 64 2090/ 642377


Preise April 1993 (schließt Steuer und Frühstück ein):


Einzelzimmer: DM 33.-Doppelzimmer: DM 50.-





Buchung für das Forsthaus in Likhubula bei Mulanje:





The Department of Forestry


P.O Box 50


Mulanje, Malawi


Tel. Mulanje 46 5218





Preise April 1993: Übernachtung für eine Berghütte: 0,75 DM per 


Person pro Nacht


Campingplatz: 0,33 DM pro Zelt pro Nacht


Forsthaus: 17,40 per Zimmer pro nacht


Der Lohn für die Träger (bei Wanderungen auf den Berg) sowie die 


Lebensmittel, die sie bekommen, ist genau festgelegt.





Mietwagen in Malawi:





Halls Car Hire


P.O.Box 741


Blantyre, Malawi


Tel. 620077/ 620833


Telex: 43 247





oder:


SS Rent-a-Car


Tel. Blantyre 636 836, Lilongwe: 721179





County Car Hire


Tel. Lilongwe 721976, Limbe (bei Blantyre): 650775





Car Hire


Blantyre 671495, in Limbe: 633792





Car Hire Limited


P O Box 61059


Limbe


Tel. 667 1495





Info über Malawi in Deutschland:


Botschaft von Malawi


Bundeskanzlerplatz


Bonn Mitte H1 1103


5300 Bonn 1





Reservierungen für fast alle Nationalparks:


Department of National Parks and Wildlife


P O Box 30131


Lilongwe 3


Tel. 730853





Es gibt u.a. folgende Hochglanz- Informationsbroschüren (in 


englisch), die alles Wesentliche enthalten:





Malawi, The warm heart of Africa;


Malawi, Safari- Guide (sämtliche Nationalparks beschrieben)


Malawi, Holiday Planner

[ Reiseberichte und Tips ]