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Ein Juwel im Golf von Neapel, das ist die Isola bella - Ischia - nicht nur im August 2001

Beitrag von Marion Haß vom February 01, 2002 at 08:41:43:

Samstag

Zum immerhin fünften Male fahre ich nach Ischia (der Name hat nichts mit dem ähnlich klingenden, oft plagenden Nerv zu tun. Besser kann man den jungen Aktivurlauber nun wirklich nicht abschrecken. Der Name kommt einfach von dem Wort "insula", dem späteren "iscla". Das kann man wohl erst besser verstehen, wenn man weiß, dass dieses Wort "Iskia" ausgesprochen wird. Somit heißt Ischia einfach Insel. Mit dem ähnlich klingenden Nerv hat die Insel dann doch etwas zu tun: Da unter der Insel immer noch glühende Magma brodelt, ist Ischia (ca. 54.000 Einwohner) vor allem für seine Heilbäder und Thermen bekannt. Man sollte also besser nicht denken, dass Ischia nur etwas für Tattergreise sei, denn es gibt für jede Generation etwas zu entdecken.

Diesmal aber ohne morgens Fango, abends Tango (zu deutsch: Kur). Für Michael ist diese italienische Insel eine Premiere. Ob es ihm wohl gefallen wird ? Schließlich habe ich die letzten Male (fast) nur (deutsche) Rentner auf der Insel vorgefunden - abgesehen von den hier lebenden, auch jüngeren, Einheimischen natürlich. Vorsichtshalber habe ich nur eine Woche gebucht - besser ist besser.

Um 3.30 Uhr werden wir jäh aus unseren Träumen gerissen -es ist Zeit zum Aufstehen. Gegen 4.30 Uhr fahren wir zum Bahnhof, um mit JASPER zum Flughafen - Terminal 1 - zu gelangen. Nach dem obligatorischen Duty-Free-Einkauf (Campari muss mit) besteigen wir - betreut von Hapag Lloyd - das Flugzeug. Es ist 7.25 Uhr. Der ersehnte Urlaub kann beginnen.

Nachdem wir die erforderliche Flughöhe erreicht haben, wird ein kleiner Imbiss gereicht, dazu Kaffee und eine Cola. Wir sind in Italien, als sich leichte Turbulenzen bemerkbar machen. Nachdem der Kaffee auf der Jeans gelandet ist, informiert uns auch der Kapitän über diese Wetterlage. Die Wackelei dauert aber nur ein paar Minuten. Der Bord-Verkauf fällt, da Zigaretten und Alkohol durch EU-Richtlinien wegfallen, auch spärlich für die Stewardessen aus. Kurze Zeit später landen wir pünktlich um 10.05 Uhr in Neapel. Natürlich bei allerbestem Wetter.

Der Eingangsbereich des Flughafengebäudes wird immer noch renoviert, dauert eben alles ein wenig länger. 1997, bei meiner letzten Ankunft in Neapel, war es nicht anders. Fotos dürfen wir hier nicht machen, da der Flughafen zum italienischen Militärgebiet gehört - darauf weisen uns zahlreiche Verbotsschilder hin. Aber die erste Zigarette auf italienischem Boden verbietet uns keiner.

Die Koffer gelangen relativ schnell auf's Laufband, sodass wir nicht lange warten müssen, bis wir den Transfer-Bus zum Hafen von Neapel besteigen können. Die Koffer werden uns jedoch bereits am Flughafen abgenommen und sollen am frühen Nachmittag im Hotel bereit stehen. Eine Sorge weniger (oder mehr?) - Gehören die freundlichen Italiener mit dem kleinen Liefer-Lkw wirklich zu TUI ? Wer weiß es schon?

Am Hafen angekommen, müssen wir noch etwas warten, da das Schiff erst um 12.00 Uhr ablegt. Das Meer ist ruhig und die Überfahrt nach Ischia ist wie immer traumhaft. Vorbei an Procida und Vivara erreichen wir nach ca. 45 Minuten Porto, die Inselhauptstadt. Auf der Überfahrt lernen wir ein Pärchen aus Schleswig-Holstein kennen, Meike und Matthias (M & M), die zum ersten Male nach Ischia fahren. So kann ich meine Erfahrungen der letzten Urlaube ein wenig an den Mann und die Frau bringen. Wir tauschen unsere Handy-Nummern aus und verabreden uns "locker" für einen gemeinsamen Strandbesuch, da sie im Hotel Le Canne in Forio wohnen werden, doch dazu später.

In Porto, der Inselhauptstadt, besteigen wir einen ziemlich großen, klimatisierten Bus. Gegen 13.00 Uhr müssen wir oberhalb des Hotels aus dem Bus aussteigen. Merkwürdiger Service - bei Ischia-Tourist wurden wir wenigstens vor der Tür abgesetzt. Doch bei TUI ist scheinbar alles anders (aber nicht unbedingt besser). Nach nur wenigen Gehminuten (Gott sei Dank bergab) erreichen wir unser Hotel La Pace, Lacco Ameno.

An der Rezeption erhalten wir zwar den Zimmerschlüssel - dann geht es, wie meistens, alleine, auf Zimmersuche. Es soll zwar im 2. Stock liegen, tut es aber nicht. Die Zimmernummerierung hat auch hier immer noch keine Erneuerung erfahren. So findet man Zimmer, die mit einer 3 beginnen, durchaus im 1. Stock, Zimmer mit einer 4, durchaus im 2. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sämtliche Rechnungen und Zimmerreservierungen auch heute noch ohne PC durchkalkuliert werden und aus reiner Hand- bzw. Kopfarbeit bestehen. Die mittlerweile nicht mehr so temperamentvolle Senora (Insider kennen sie schon seit Jahren) sitzt über ihren handschriftlichen Notizen und arbeitet diese Kladde sorgfältig - nach welchem Muster auch immer - ab. Mit ihrer Stimme hat sie früher das ganze Haus erzittern lassen. Wenn man sie noch in ihrer alten Form kennt, mag man gar nicht glauben, das La Pace übersetzt heißt: der Frieden. Ich erinnere mich noch sehr gut an ihren ersten Monolog: "Wasch schnell Hand und essen sofort ! Sonst nix mangare, da schon spät." Das war 1990 bei meiner Ankunft gegen 21 Uhr. Der Buchhalter sitzt im Nachbarbüro - wie auch schon seit Jahren - und blickt mit verträumten Augen auf seine ständig wachsenden Kassenrollen und Bewirtungsbelege - wie auch schon seit Jahren -

Wir haben unser Zimmer gefunden - das erste Wunder ist vollbracht.

Nachdem wir uns ein wenig frisch gemacht haben, gehen wir zu unserem Tisch im Restaurant. Die Mitarbeiter haben uns bei der Ankunft auch eine sog. Tischnummer mitgegeben und einen Zettel, auf dem der Name des Kellners steht, der sich während des Urlaubs um das leibliche Wohl kümmert. Glück gehabt, auch in diesem Jahr wird uns Andrea (dieser, für uns weibliche, Vorname ist in Italien nicht ungebräuchlich für das männliche Geschlecht), wieder betreuen. Er arbeitet schon seit 35 Jahren in diesem Hotel - unvorstellbar. Es gibt pasta - wie immer lecker - und Cordon Bleu. Mein Fall ist das nicht, die Spaghettis haben mich sowieso schon satt gemacht. Wie mit Zauberhand bringt mir Andrea dann procutto con melone - Schinken mit Melone - das könnte mein Leibgericht werden. Zimmernummer ist nicht gleich Schlüsselnummer - das muss man wisssen, wenn man Getränke oder auch die Kuranwendungen in Anspruch nimmt. Das führt häufig zu Verwechselungen, da es auf den ersten Blick kaum logisch erscheint. Aber auch das ist Tradition des Hauses und diese besagt auch, dass pünktlich zu den Essenszeiten der "patrone" bzw. der Bruder der Senora sich meldet und des in gebrochenem Deutsch erklärt. Leider ist das Stimmengewirr im Speisesaal so laut, dass man heute nicht ein einziges Wort versteht. Es wäre zu schön zu hören: "Auche eutä aben wir wieder eine sonderangebote - ein tass cappuccino un eine stücke kuken - eutä kostet nur dreitausendefünfehunderte Lire" In diesem Satz ist Musik. Diese wird übrigens auch zweimal in der Woche im Tukul, und zwar ischiatanische Musik und Hauswein (natürlich isse dieses wiedä eine sonderangebote)".

Nach dem Mittagsmenu gehen wir zur Bar, um zu sehen, ob es Toni auch noch gibt. Die Wiedersehensfreude ist groß, und bei Campari orange wird schnell das Neueste ausgetauscht. Salute.

Da es noch ein wenig dauern wird, bis wir den Koffer "geliefert" bekommen, gönnen wir uns eine kleine Siesta. Nachdem wir bei 15 Grad in Hamburg losgefahren und bei 27 Grad in Neapel gelandet sind, mag man sich gar nicht bewegen.

Der Koffer sind angekommen, und nun haben wir endlich die Möglichkeit, uns neu einzukleiden. Beim Auspacken des Koffers stelle ich fest, dass wir nicht alleine im Zimmer sind. Eine undefinierbare Form von Käfern belagert die Kommode. Doch dann muss ich über mich selbst lachen. Es sind kleine Ameisen, die das Gebäckstück, das wir im Flugzeug nicht mehr gegessen und für nachmittags aufbewahrt haben, in einer der zahlreichen Schubladen entdeckten. Krümel für Krümel transportieren sie auf ihren kleinen Leibern in ein Loch in der Wand. Stimmt, ich habe es vergessen. In Griechenland ist es mir auch schon passiert, dass ich wandernde Brekkis (Katzentrockenfutter) gesehen habe. Das waren auch keine Halluzinationen, sondern das Werk von kleinen Ameisen, die einfach nur hungrig waren bzw. ihrer Königin ein Geschenk machten. Lebensmittel im Zimmer in den südeuropäischen Ländern - da macht man schon seine Erfahrungen. Das veranlasst uns auch, in den nächsten Tagen unser Lunchpaket an der Lampe zu befestigen und können somit la strada della formica (Ameisenstraße) besser beobachten.

Gegen 17 Uhr machen wir uns auf den Weg ins Tukul, das in der Nähe des La Pace gelegene 2. Restaurant, um eine kleine Erfrischung zu uns zu nehmen. Auf Pool und Liegen haben wir (noch) keine Lust. Der Blick von der Terrasse ist unbeschreiblich. Hier im Schatten kann man es aushalten.

Um 20.00 Uhr ist schon wieder Abendessen angesagt. Es gibt leckere Pasta, dazu ein kühles Wasser. Das Hauptgericht lasse ich ausfallen, dafür gibt es zum Nachtisch wieder frisches Obst.

Heute hat Toni frei - da gibt es auch keinen guten Cappuccino bzw. Espresso. Als Alternative bleibt Antonio, der Besitzer der kleinen Taverne, die umittelbar an das Hotel grenzt. Doch welche Enttäuschung. Antonio hat sich vor drei Jahren zur Ruhe gesetzt und das Lokal wird nun von seiner Familie (Nichte/Neffe o.ä.) bewirtschaftet. Es sind gerade mal zwei Tische besetzt - ein Unterschied wie Tag und Nacht. Früher war es hier proppevoll. Schade, Antonio war eine Institution - er gehörte eigentlich zur Insel und zum Urlaub dazu. Der Neubau, den er seinerzeit einmal als Pension angebaut hatte, liegt auch brach, kein Interesse vorhanden. Nach zwei frisch ausgepressten Orangensäften geht es ins Bettchen.

Sonntag

Es ist sehr warm im Zimmer, obwohl die Fenster und Rollläden die ganze Nacht geöffnet waren. Der Blick nach draußen zeigt auch heute wieder blauen Himmel und Sonnenschein, soweit das Auge reicht. Heute gibt es zum Frühstück nicht nur frische Brötchen, nein, auch Mortadella (deren Ursprung geht zurück auf das Mittelalter, der Name kommt von "Mörtel". Ein dominikanisches Ordensoberhaupt hat Schweinefleisch in einem Mörtel zerkleinert, Eselfleisch und Fleisch des wilden Ebers hinzugefügt, somit war die Wurst "erfunden". Ende des gleichen Jahrhunderts wurde diese für das Austauschen von Waren verwandt. Doch obgleich der geschichtlichen Entwicklung - Michael mag sie eben nicht, und so steigere ich allmählich mein "Urlaubs(körper)gewicht".

Wir spazieren anschließend in unseren Urlaubsort, Lacco Ameno. Natürlich mit Sonntagskleidchen und Stöckelschuhen, schließlich will Frau ja nicht als Außenseiterin den italienischen Schönheiten gegenüberstehen. So schön das Hotel auch ist, der Weg in den Ort ist mühsam, da er sehr steil ist. Man muss schon genau schauen, dass man nicht umknickt. Aber auch diese Hürde ist schnell gemeistert. Beim Flanieren läuft es sich dann viel besser.

Der Ort zeichnet sich durch seine hochwertigen Hotels aus, die harmonisch in das Landschaftsbild eingefügt wurden (mehr als vier Stockwerke sind, wie auf der ganzen Insel, auch hier nicht erlaubt). Aus dem flachen Meer vor der Hafenpromenade ragt das Wahrzeichen Lacco Amenos, der Fungo, ein Tuffsteinbrocken, der durch die Auswaschungen des Wassers einem großen Pilz gleicht. Neben eleganten Geschäften, Restaurants und Bars findet man auf der Piazetta die sehenswerte Kirche Santa Maria.

Wir bummeln von einem Laden zum nächsten. Es ist zwar Sonntag, aber die meisten Geschäfte haben geöffnet. Seit Anfang August haben auch die Italiener Urlaub und bei ca. 40 Grad, die wir heute haben, bleiben/blieben die deutschen Touris Gott sei Dank in Deutschland, sodass wir uns zwischen den vielen Italienern sehr wohl fühlen und der Altersdurchschnitt auch demzufolge deutlich unter dem liegt, den ich aus der Vergangenheit her kenne. Da es für eine Jeans eindeutig zu heiß ist, wird kurzerhand noch eine leichte Sommerhose gekauft. Danach machen wir es uns gemütlich in einer kleinen Bar am Hafen. Als ich eine Zitronenlimonade bestelle, denke ich eigentlich an so etwas Ähnliches wie Hassia-Sprudel. Doch für mich gibt es frisch ausgepresste Zitrone (den Zucker hat sie wohl vergessen). Von hier aus kann man gut die Hafeneinfahrt beobachten. Man erzählt sich auf der Insel, dass am Wochenende die Mafia aus Neapel käme, um sich auszuruhen. Angesichts der vielen Yachten, die hier fest gemacht haben, muss man es wohl glauben. Ärger gab es aber bis heute wohl sehr selten.

Danach kaufen wir noch Busfahrkarten für den nächsten Tag. Nach ein paar Minuten bekommen wir wieder Durst und gönnen uns eine Erfrischung im hiesigen Eiscafé. Dort genehmigen wir uns dann Mineralwasser und den ersten Café Latte, der gut schmeckt und nicht der letzte ist/war. Der Kellner muss sich wohl vertan haben, für drei Café Latte und ein Mineralwasser nimmt er uns mal gerade 6.000 Lit. (ca. 6,00 DM) ab.

Um 16 Uhr ist die Begrüßung durch die Reiseleiterin von TUI im Tucul geplant. Es gibt dazu ein Glas undefinierbaren Getränkes (könnte Guave sein, eine für uns übel schmeckende Angelegenheit). Während ihrer Ausführungen über Ischia und italienische Gepflogenheiten erfahren wir ganz beiläufig, dass sie von einem Ausflug nach Capri abrät und man aufpassen sollte, wenn man mit Peseten bezahlt, da die vielen 000 irritieren können. Man sei blitzschnell Millionär. Das ist natürlich verständlich, schließlich zahlt man hier in Lire. Sicherlich war die Mitarbeiterin von TUI noch kürzlich in Spanien. Das erklärt dann sicherlich auch ihre Ausführungen, die sich ins Unendliche ziehen, was Geldautomaten und Scheckkarten, traveller cheques und andere Zahlungsmodalitäten angeht.

Nachdem wir nun "viel gelernt haben", besteht die Möglichkeit, einen Ausflug zu buchen. Bereits im Vorwege hatten wir uns schon auf dem Flyer die Reise nach Neapel mit Besuch in Pompeji sowie Amalfiküste ausgesucht. Das schlägt mit ca. DM 78 pro Person zu Buche - aber wenn man schon mal hier ist, möchte man ja auch was sehen. Da uns der Saft nicht geschmeckt hat, zeige ich Michael das andere Poolgelände, wo man auch die Möglichkeit hat, im Café etwas zu sich zu nehmen. Vielleicht gibt es auch hier noch den Kellner, vor dem seinerzeit kein weibliches Wesen (sei denn, es war schon über 60 Jahre alt) sicher war. Doch Fehlanzeige. Er hat seinerzeit sicherlich die Liebe seines Lebens getroffen und ist mit ihr (oder nur ihrem Geld und Schmuck ?) auf und davon.

Leider gibt es hier keine frischen Orangen, sie müssen erst wieder geliefert werden, aber der Campari Orange schmeckt auch mit Tütensaft.

Heute Abend gibt es statt pasta eine leckere Gemüsesuppe. Da man nicht alles essen muss, was auf den Tisch kommt, können wir, das wissen aber die meisten Hotelgäste (Gott sei Dank) nicht, bis 9.30 Uhr morgens das Menü ändern. So haben wir schon früh Scampies, die ohne Aufpreis, aber mit leckrem Weißbrot und frischem Knoblauch, serviert werden, bestellt.

Nach dem Abendessen setzen wir uns mit Meike und Matthias per Handy in Verbindung. Wir wollen sie fragen, ob sie mit uns am nächsten Tag den Epomeo besteigen möchten. Sie verneinen dies, da sie sich bereits am Sonntag die Strapaze angetan haben. Sie haben jedoch einen anderen Weg genommen, als den von uns geplanten. Aus dem Marco Polo Reiseführer haben sie sich eine Trekking-Strecke ausgesucht - Ausgangspunkt Forio - wenn Flachländer mal Berge sehen ... Sie haben für den Aufstieg 4 Stunden gebraucht - nein danke ... Das haben wir nicht vor.

Montag

Heute wollen wir - wie geplant - "den Berg besteigen". Wir frühstücken in Ruhe, kein Mensch ist weit und breit zu sehen, außer Andrea, der uns mit dem Nötigsten versorgt und noch Obst für den Tag mitgibt. Um 6.45 Uhr fahren wir mit dem Bus nach Fontana. Nach einer Stunde haben wir unser Ziel vor Augen: Monte Epomeo, 789 m ! Die Höhenangaben weichen jedoch in allen Reiseführern, die wir kennen, etwas voneinander ab.

An der Bushaltestelle finden wir noch die Spuren des vergangenen Tages, einem Weinfest. Vor der Kirche steht noch das Karussell, das gestern sicherlich viele Kinderaugen hat erstrahlen lassen. Für die Einheimischen und Gäste wird heute noch ein kleiner Markt stattfinden. Hier findet man eine Vielzahl von Nüssen, Obst und Kitsch, vor allem Kinderspielzeug.

Wir halten uns hier nicht auf, sondern passieren eine schmale Straße, kommen an Felsenwohnungen vorbei, bevor wir die asphaltierte Straße zum Aufstiegspunkt erreichen. Zwar lockt hier ein Restaurant mit Kaffee und Kuchen, Kaninchen und anderen Köstlichkeiten, aber "der Berg ruft". Ausgetrocknete Flussbetten, wo sonst Esel auf vier Beinen laufen, werden zu dieser Zeit von uns zweibeinigen Eseln betreten. Die Sonne brennt erbarmungslos herunter, doch es gibt um diese Uhrzeit Gott sei Dank noch viel Schatten. Der Weg ist sehr steil und durch den trocknen Sand sehr rutschig. Heute trage ich Mokassins, damit läuft es sich besser als mit Pumps. Nach ca. 60 Minuten Aufstieg sind wir endlich oben.

Was sollte man über den Epomeo wissen? Nun, es handelt sich dabei zweifellos um einen erloschenen Vulkan, den höchsten Berg der Insel Ischia. Der letzte Ausbruch war im Jahre 1302. Die Insel vulkanischen Ursprungs ist - so kann man nachlesen - nach den Berechnungen der Geologen vor ca. 600.000 Jahren durch nachdrängendes Magma über die Meeresoberfläche hoch geschoben worden. Man kann natürlich auch den Sagen und Mythen glauben. So erzählt man, dass Tifeo (Anführer der Riesen, die sich gegen Zeus aufgelehnt hatten, von diesem aber vom Olymp hinunter geschleudert wurden) genau dort ins Meer stürzte, wo heute Ischia liegt. Tifeo war darüber sehr verärgert, stöhnte grauenvoll und spie Feuer, weil die auf ihm lastenden Gesteinsmassen drohten, ihn zu erdrücken. Es konnte und wollte niemand ihm helfen. Venus erbarmte sich Tifeo und versprach, wenigstens seine Tränen in heilbringende Quellen (heute die berühmtem Thermalquellen) zu verwandeln. Eine andere Geschichte erzählt von einem sehr alten Hirten mit Namen Epomeo, der, als er den Tod herannahen fühlte, seine jungen Söhne bat, ihn zu jenem Ort zu geleiten, der als der Schönste der Welt gelte. Das taten sie auch und schleppten den alten Mann über das ganze Mittelmeer, bis sie endlich auf Ischia landeten. Als sie den Gipfel der Insel bestiegen, gefiel es dem alten Mann so gut, dass er seine Söhne fortschickte und allein weiterlebte. Zeus hatte ihn ganz vergessen, bis er sich endlich wieder an ihn erinnerte und ihm klar machte, dass es Zeit sei, diese schöne Welt zu verlassen. Da weinte der Mann sehr. Aus Mitleid verwandelte der Göttervater die Tränen in heilbringende Quellen, wofür die Insel weithin berühmt wurde.

Ich suche das Lokal, von dem man einen tollen Blick auf Sant'Angelo hat. Das erste Restaurant, das wir vorfinden, hat zwar ein Gästebuch ausgelegt, aber die Visitenkarten-Wand, die ich von 1997 noch in Erinnerung und mich auf dieser seinerzeit verewigt hatte, ist nicht mehr da. Auch der Durchgang zu der Höhle, wo Feldbetten standen, auf denen man ausruhen bzw. wo man die Nacht verbringen konnte, um den Sonnenunter- bzw. -aufgang zu beobachten, ist nicht mehr da. Wir sprechen die italienische Kellnerin daraufhin an und sie sagt, das wäre nicht hier, sondern gäbe es in einem anderen Restaurant. Wir irren durch die unmarkierten Wege und erreichen einen ungesicherten Aussichtspunkt. Aber von dem "anderen Restaurant" ist nichts zu sehen. Ich gebe ja zu, in vier Jahren kann sich viel verändern, vielleicht haben sie renoviert. Wir nehmen dann im ersten Restaurant Platz - doch der Blick ist leider nicht so schön, wie ich ihn in Erinnerung habe. Es fehlt eben der "Maschendrahtzaun" und der Blick auf Sant'Angelo.

Jetzt wird erst einmal zur Belohnung 1 Liter Mineralwasser und ein bruchetta - in Olivenöl geröstetes Weißbrot, belegt mit frischen Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Basilikum bestellt. Das ist nichts für Michael. Für ihn gibt es ein frisches Omelette mit Schinken.

Da es mir keine Ruhe lässt, beschließe ich, die Kellnerin noch einmal zu befragen. Dabei stellt sich heraus, dass das andere Restaurant, von dem sie sprach, bereits vor drei Jahren abgerissen worden sei - na toll, hätte sie ja auch gleich sagen können - grrrrr ...

Es ist gegen 9 Uhr, und wir sind so ziemlich die ersten und einzigen Touris auf dem Berg. Nach knapp 2stündigem Aufenthalt machen wir uns auf den Rückweg. Dieser dauert nur 30 Minuten und ist nicht minder anstrengend. Merkwürdigerweise haben wir keinen einzigen Touristen auf dem Rücken wilder Pferde, sorry, ich meine natürlich wilder Esel gesehen. Scheinbar lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Früher hieß es immer, dass ab August die Möglichkeit bestehen würde, ohne eigene Kraft auf den Berg zu gelangen. Ein paar Italiener und ein paar mehr Deutsche kommen uns entgegen und fragen erschöpft, wie weit es noch sei, bis sie oben seien. Schön, dass wir sagen können, es sind nur noch 30 Minuten ...

In Fontana angekommen, haben wir schon wieder Durst. Es gibt hier einen schönen Platz mit Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen, aber weit und breit keinen Kellner. So mache ich mich auf die Suche. Nach einer Weile kommt er dann an unseren Tisch, Eistee und Coca Cola auf dem Tablett. Nach einigen Minuten hält er uns zwei köstliche Kuchen vor die Nase und fragt, ob wir mal den selbst gebackenen Kuchen probieren möchten. Wir sind nicht abgeneigt - das nennen wir Gastfreundschaft. Diese Gastfreundschaft spiegelte sich jedoch nachher wieder auf unserer Rechnung wieder - in Form von jeweils 3.000 Lit. (ca. 3,00 DM) - er hatte es wohl anders gemeint, als wir es verstanden haben ...

Es wird Zeit zum Aufbrechen. Für die Mittagszeit haben wir uns mit M & M verabredet - der erholsame, von uns wahrlich verdiente, Strandtag in Sant'Angelo ist geplant. Wir fahren mit dem Bus zurück und erreichen nach wenigen Minuten den Busparkplatz von Sant'Angelo. Da der Ort autofrei ist (nur einige Elektrowagen sind die Ausnahme), müssen wir die Via delle Rose passieren, um in die unterhalb des Parkplatzes gelegene Ortsmitte zu gelangen. Wir kommen an einer Bildergalerie, einigen Souvenirläden und Boutiquen vorbei, die harmonisch in die Felshöhlen eingebettet sind.

Nach ca. 10 Minuten erreichen wir die Beiden telefonisch - ein Hoch auf die Handies -, als sie sich gerade auf dem Weg zu den Aphrodite-Gärten befinden. Kommando zurück, sie holen uns vom Strand ab. Wir warten vor Michael Beach - typisch - wo man hinkommt, hat Michael seine Finger im Spiel (ich habe gar nicht erwähnt, dass eine Busgesellschaft mit dem Namen Janssen auch das Hotel La Pace anfährt, der Schutzpatron von Sant'Angelo heißt natürlich Erzengel Michael - die Aufzählung lässt sich auf Ischia beliebig weiter führen). Sant'Angelo, alleine der Name klingt ... Pastellfarbene, kubische Häuschen schmiegen sich an einen Felsen. Vor der malerischen Piazza öffnet sich ein kleiner Hafen, in dem bunte Holzboote schaukeln. Viele hübsche Geschäfte gibt es hier - von der Kleiderboutique bis zum Juwelier. Ich habe gelesen, dass sich einst Bayernkönig Ludwig auf der Insel zu folgenden Versen inspiriert fühlte: "Hin nach Ischia flüchte Du/aus dem Gewirre des Lebens! Ruhe findest Du dort, welche Dir längst schon entfloh." Auch er wird in der Nebensaison im Süden gewesen sein.

Bei einer Zigarettenlänge erzählen uns die Beiden von ihrer Planung, und zwar, mit uns zu einem ruhigen Strand zu gehen. Auf dem Weg dorthin erzählen sie uns von ihrem Ausflug auf den Epomeo und zur Erheiterung von "typisch deutschen" Hotelgästen in ihrer Ferienanlage (dazu komme ich noch einmal am Ende meiner Reisegeschichte). Durch die vielen Plauderein merken wir gar nicht, wie uns geschieht. Immer weniger sieht es hier nach einem Strand aus. Ganz beiläufig, beim gemütlichen Schlendern durch die schmalen, verwinkelten Gassen, erfahren wir dann, dass sie noch vor dem ersten Baden im Meer planen, einen "kurzen" Abstecher zu den cava scura zu machen. Dieser Gewaltmarsch, nämlich zu den römischen Thermalanlagen, die von sehenswerten Schluchten umgeben sind, dauert ca. 45 Minuten. Entspricht natürlich auch dem Marco Polo Reiseführer. Diese Tatsache erfahren wir aber erst, als wir in einer kleinen Taverne zur Erfrischung einkehren. Sie erscheint uns wie eine Fata morgana. Der sehr freundliche Wirt bringt uns einen Krug Wein und Mineralwasser.

Wenn man bedenkt, dass wir schließlich schon um 6 Uhr aufgestanden sind, um der Mittagshitze zu entgehen, fragt sich jeder zu Recht, was machen die vier in der glühenden Mittagshitze bergauf, bergab - dort, wo uns kein Mensch entgegen kommt. Bei den Cava Scura angekommen zahlen wir unseren Eintritt von 1.500 Lit. und bewundern die uralten Konstruktionen, Badewannen, Sauna-Anlagen hauptsächlich zum Wohl der Frauen erschaffen, die keine Kinder bekamen/bekommen.

Irgendwann gegen 15 Uhr erreichen wir dann den Maronti-Strand. Da es für das Zahlen von Strandliegen schon zu spät ist und wir keine Wurzeln schlagen wollen, suchen wir uns ein Plätzchen unter einer Brücke. Rasch entledigen wir uns der Freizeitklamotten und stürzen uns in die Fluten. Das ist erfrischend, wenn man das bei 27 Grad Wassertemperatur sagen kann. Im Gegensatz zur Luft von ca. 40 Grad allemal.

Gegen 16 Uhr besteigen wir das Boot eines Pepo, so heißen hier die Führer der Wassertaxis. Diese sind nicht sehr groß, und für mich als Nichtschwimmerin sind solche Aktionen immer eine besondere Mutprobe.

In Sant'Angelo wieder angekommen, lassen wir es uns in einem Café gut gehen, bevor uns dann den mühevollen Fußweg zur Bushaltestelle antun. Kopfrechnen schwach - oder herrscht hier ein anderer Rechenkurs als in Lacco Ameno ? Dort bezahlten wir am Sonntag nur 6.000 Lire - hier wird uns nun eine Rechnung zum vierfachen Preis unterbreitet, also 24.000 Lire - mit den Touristen können sie es ja machen. Nicht schlecht, 400 % mehr - ist ja auch die Hafen-Piazetta mit ihrem südlichen Charme, das muss bezahlt werden (doch ausgerechnet in der Saison - na klar, da kommen die meisten Touristen).

Am Freitag werden wir uns mit M & M nach dem Abendessen wieder treffen und den Urlaub bei einem Glas oder zwei in Porto auf der Via Roma ausklingen lassen. Davor wollen wir noch ein wenig shoppen. So ist es geplant.

Im Hotel angekommen wird es höchste Zeit, uns zum Abendessen frisch zu machen. Für heute haben wir wieder Schinken mit Melone bestellt - davor gibt es Spaghetti mit frischem Knoblauch und Olivenöl.

Dienstag

Zeit für den Pool. Wir wollen mal schauen, ob wir die Pool-Mafia überlisten können. Es ist sehr ungewöhnlich, dass man sogar noch um 8 Uhr Sonnenliegen bekommt. Das liegt aber scheinbar wirklich daran, dass wenig Deutsche im Hotel sind. In der Vergangenheit war es üblich, dass man sich um 5 Uhr zu den beiden (an verschiedenen Orten gelegenen) Pools begab, dort seine Handtücher (meistens aber die hoteleigenen) deponierte (sowohl als auch), seinen Tagesausflug unternahm und abends wieder diese zurückholte. Ein mutiges Zimmermädchen versuchte, so erinnere ich mich an den letzten Urlaub, die Touris zu "erziehen" und zupp, zupp, warf sie die (zumindest die hoteleigenen) Handtücher ins Wasser. Dann war für einige Tage Ruh'. Frische Handtücher bekamen die Hotelgäste natürlich erst, nachdem sie erklären konnten, was sie mit den gebrauchten getan haben. Und das war natürlich nicht so einfach, da es verboten ist, diese aus den Hotelzimmern zu entfernen (fast in jedem Hotel, das ich kenne).

Viel Geld wird durch die Hotelleitung nicht in die Instandhaltung der hier stehenden Liegen investiert. Zum Draufliegen reicht es allemal. Man muss nur sehen, dass man nicht gerade eine defekte Liege erwischt, so wie unser Liegennachbar. Er hat wirklich Pech. Erst kippt er mit ihr um, liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken, dann bricht auch noch der Sonnenschirm über ihm zusammen - was so ein echter Glückspilz ist, der prüft eben vorher schon, auf was er sich einlässt.

Wir wollen mal den Pool testen. Zwar erfährt man durch sein Thermalwasser keine Erfrischung, dafür ist es aber angenehm warm und hin und wieder kann man auch spüren, dass eine Whirlpool-Anlage sich unter Wasser versteckt. Diese ist aber nicht so stark, wie man sie von zuhause aus kennt. Zum Erfrischen sind besser die Außenduschen geeignet, die von eiskalt bis laukalt die Alternative anbieten.

Nach kurzer Zeit entschließe ich mich, angesichts meines Muskelkaters (der übrigens noch bis Donnerstag anhält), zur Massage. Ich treffe auf Nino, der auch schon seit vielen Jahren in diesem Hotel beschäftigt ist. Er erkennt mich wieder nicht, jedes Mal dasselbe, und erst als ich ihm sage, dass ich vor vier Jahren noch blond war, kommt so langsam die Erinnerung, aber ganz piano. Guiseppe, der Mann für's Fango, wundert sich, dass ich mich an ihn erinnern kann, aber auch nach einem "si, si, bionda", womit wieder der Wechsel von blond zu schwarz (oder ist es eher ein undefinierbares rot ?) in Verbindung zu bringen ist, kommen die grauen Zellen in Wallung. Es kommt selten vor, dass FRAU in der Männer-Bäder-Abteilung Massage bekommt. Normalerweise ist dafür eine weibliche Masseurin zuständig. Aber als ich 1990 das erste Mal dort war, hatte diese Urlaub und so kam ich zu Nino. Er schickt mich erst einmal zur Rezeption, wo ich dann für umgerechnet ca. DM 30 das Massageöl erwerben kann - nun, wenn's hilft ! Nach wenigen Warteminuten geht es dann endlich auf die Massageliege. Nach knapp 30 Minuten Vollmassage entschließe ich mich, meinen Schönheitstag weiterzuführen. Ich suche die Kosmetikerin Guiseppina, die für Gesichtsbehandlungen zuständig ist. Da laufe ich Theresa über den Weg, einer ganz liebenswerten Mitarbeiterin der Kurabteilung, die mich jahraus, jahrein, in Fango, Leinentücher und Wolldecken gepackt hat. Sie bedauert es, dass ich diesmal keine Kur mache und nur eine Woche bleibe - ich natürlich auch, verspreche aber, schnellstmöglich wieder zu kommen. Ehe ich mich versehe, werde ich auch schon von Guiseppina auf den Kosmetikstuhl gebeten. Auch sie gerade keine Kundin, und eins, zwei, drei bin ich viel zu schön für diese Welt. Na ja, vielleicht für die halbe.

In der Maskenpause, wo man sich eigentlich entspannen soll, sind Guiseppina und Theresa lautstark am Diskutieren. Das machen sie ein paar Mal am Tag. Das Gestikulieren gehört natürlich auch dazu. Italienisches Temperament kann man nicht erklären, das muss man erleben. Es hört sich immer gewaltig an, was da an Worten durch die Luft fliegt, verstehen tue ich kein Wort. Ich bin überzeugt, das machen sie nur für die Touristen. Als kleine Showeinlage.

Bei der Sonnenliege angekommen, finde ich Michael vertieft in den Reiseführer. Ich erzähle ihm von den gut tuenden Anwendungen und nach einigem Hin und Her geht er mit zu Nino, um sich massieren zu lassen. Schließlich hat er die Massagen im letzten Urlaub in der Türkei ja auch genossen. Dass Michael nicht unter Verspannungen bzw. Rückenproblemen leidet, wird sogleich von Nino und Guiseppe diagnostiziert. Ich schätze mal eher, dass Nino ein wenig daran denkt, dass auch er Muskelkater bekommen könnte, nämlich am Tag nach der Massage von Michael. Ist schon was anderes, als eine Frau zu massieren oder einen älteren Herren. Da stecken einige Jahre Fitness-Center drin.

Wir machen uns für das Mittagessen frisch und freuen uns über den Schinken mit Melone, wie immer eisgekühlt serviert. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen ist ein Spaziergang nach Casamicciola geplant. Zwischen der Hotelanlage gibt es einen Fußweg, der ebenfalls zur Hauptstraße führt und nicht ganz so steil ist. Nach ca. 15 Minuten erreichen wir den ältesten Thermalkurort der Insel. Er liegt nur wenige Kilometer westlich von Porto, direkt am Hang des Monte Epomeo. Der Ort hat ca. 6.850 Einwohner, verfügt über wichtige schulische Einrichtungen sowie einen Hafen, der für touristisch- kommerzielle Zwecke verwendet wird. Perrone, so der Name des künstlich errichteten Hafens, stellt eine Alternative zu dem stark belasteten Hafen von Ischia Porto dar. Außer den großen Fährschiffen, die die Insel mit dem Kontinent verbinden, findet man hier zahlreiche luxuriöse Jachten und viele kleine Fischerboote.

Zum Zentrum gehört die Piazza Marina, wo sich auch das Café Calise befindet. Hier gibt es die köstlichsten Torten, die man je gesehen hat, ob mit weißer oder brauner Schokolade, Zuckerguss oder Marzipan, hier wachsen die Pfündchen. Wir können - oh Wunder - den Köstlichkeiten widerstehen und genießen den Café Latte, der heute mal etwas teurer ist als in Lacco Ameno. Dafür sitzen wir ja auch im Café Calise.

Wir haben noch Zeit bis zum Abendessen, aber unsere Füße wollen nicht mehr so richtig. So gönnen wir uns die Fahrt mit einem Mikro-Taxi. In den Frühlingsmonaten kostete die Fahrt von hier aus ca. DM 8 - heute sind es schon DM 15. Bunt geschmückt, bestehend aus drei überdachten Rädern und zwei Couchsitzen (oder ausrangierten Mattratzen), lässt sich das Vehikel in Richtung Lacco Ameno bewegen. Der Wagen quietscht und stöhnt und ist genauso glücklich wie wir, als er oben ist.

Heute wollen wir auch nicht so spät ins Bett, morgen um 8 Uhr wartet Nino wegen der gebuchten Massage. Doch was ist das ? Ein lautes Geräusch lässt uns gegen 23 Uhr plötzlich wach werden. Es wird "uns" ein Feuerwerk präsentiert. Es ist keines, das Lacco Ameno veranstaltet (diese werden meistens im Hafen oder auf dem Monte Vico gezündet), sondern in der Nähe von Fango. Es handelt sich wahrscheinlich um ein privates Feuerwerk anlässlich einer Hochzeits- oder Geburtstagsfeier. Städtische Feuerwerke finden nämlich heutzutage fast ausschließlich tagsüber statt, da es sich in der Vergangenheit doch häufiger bei nächtlichen Schüssen nicht unbedingt um Böller handelte und der örtliche Bestatter danach manchmal alle Hände voll zu tun hatte.

Mittwoch

Wir entschließen uns wieder zu einem frühen Frühstück (sagt ja auch schon der Name). Unser "alter" Platz am Pool ist frei. Es ist noch keine 9 Uhr und alle Liegen sind belegt. Nino wartet schon wegen der Massage und Michael gönnt sich heute Guiseppina - nein, nicht so ! Er genießt ebenfalls (s)eine Gesichtsbehandlung mit Fango und Gesichtsmassage. Er schwärmt noch lange von ihren flinken Fingern - nur ich weiß, wie es gemeint ist !

Nach einiger Liegezeit werde ich auf einen Italiener aufmerksam, den ich gestern schon beobachtet habe. So gegen 11 Uhr kommt er, nimmt zwei Handtücher von zwei "reservierten" Sonnenliegen (den besten natürlich, er hat sie sicherlich schon morgens bei Sonnenaufgang ausgesucht) und verschwindet so plötzlich, wie er aufgetaucht ist. Komisch - aber ich denke mal, dass auch er die Unverschämtheit besitzt, Pool A oder Pool B zu benutzen - je nachdem, wo es eben dann schöner ist (oder mehr Sonne), entscheidet er dann um 11 Uhr seine Lage. Komische Menschen gibt's schon auf der Welt.

Heute Nachmittag steht Porto auf dem Ausflugsplan. Obwohl Michael kein Freund von Omnibussen ist (der Fußweg nach Porto dauert über eine Stunde), nutzen wir diese Transportmöglichkeit. Meistens sind die Busse so voll, sodass das auch manchmal eine Strapaze sein kann, diese dauert aber dann nur 15 Minuten.

Es ist noch früh am Nachmittag, so gegen 14.30 Uhr, als wir den Busparkplatz in Porto erreichen. Viel ist (noch) nicht los, da die meisten Italiener - im Gegensatz zu den deutschen Urlaubern - die Mittagssonne meiden. Die Via Roma schläft, denn erst in den Abendstunden beginnt hier der Trubel. Geöffnet haben um diese Zeit hier vornehmlich die Restaurants und Cafés. Die Schuhgeschäfte, die es mir antun könnten, sind (leider) noch geschlossen und öffnen ebenfalls erst am frühen Abend wieder. Wir verschieben unsere Einkäufe auf den Freitag. Je nachdem, wie viel Geld dann noch übrig ist.

Auf der Suche nach einem gemütlichen Plätzchen zum Schauen finden wir ein Café, wo das Mineralwasser auf einmal soooooooooo gut schmeckt. Damit ich wieder auf meinen "normalen" Geschmack komme, gibt's hinterher noch eine eisgekühlte Coca Cola. Nach fast zwei Stunden Sitzen und Gucken geht es per Bus wieder zurück ins Hotel. Schlafen steht auf dem Programm - morgen fahren wir ganz früh nach Pompeji und Amalfi.

Donnerstag

Ein lang gehegter Wunsch wird wahr. Vor ca. 15 Jahren war ich das letzte Mal in Amalfi. Um 6.05 Uhr werden wir bereits von TUI abgeholt. Zuerst fahren wir mit unserem temperamentvollen Busfahrer, der jede Kurve nimmt, als könne er das auch im Schlaf, nach Casamiciolla, von dort aus geht es auf die Fähre nach Pozzuoli.

Nach knapp einstündiger Schifffahrt werden wir zu unserem Bus geführt und erfahren mit Beate, der Reiseführerin, und Guiseppe, dem Busfahrer, eine hervorragende Betreuung. Doch entgegen der ursprünglichen Planung handelt es sich nicht um einen Minibus, sondern einen normalen, aber Gott sei Dank klimatisierten, Omnibus - na denn, viel Spaß bei den 800 Kurven, die die angeblich ca. 46 Kilometer lange Amalfiküste umsäumen.

Wir fahren durch Pozzuoli, die Stadt, die nördlich von Neapel in den Flägräischen Feldern, einem Gebiet mit Resten von Vulkanismus, liegt. Im unbewaldeten Teil des Kraters zischt und brodelt es an allen möglichen Stellen, weil schwefelhaltige Dämpfe aus Bodenspalten und Wasseroberflächen austreten. Dieser "Duft" hat dem Ort den Namen gegeben.

Um 8.45 Uhr sind wir bereits in Pompeji. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf den Vesuv, der immerhin 1930 mit einer Höhe von 1.186 Metern und 1959 mit einer Höhe von 1.270 Metern gemessen wurde. Die Besichtigung haben wir uns erspart, TUI hat sie einen Tag vorher angeboten. Doch wir haben uns schlau gemacht, auch ohne dort gewesen zu sein und es gibt - für Interessierte, Folgendes über den Vesuv berichten:

Man kann nachlesen, dass sich der heutige Vulkankegel über der Ruine eines älteren Vulkans aufbaut, von dem im Norden der Monte Somma (1.132 Meter) aufragt. Zwischen seinem Kegel und dem Vesuv liegt eine Senke, die mit den Namen Atrio del Cavalla (im Westen) und Valle dell'Inferno (im Osten) bezeichnet wird. Der Krater des heutigen Vulkans hat einen Durchmesser von ca. 300 Meter. Der aus Lava und Asche bestehende Kegel ist vegetationslos. Erst die verwitterte Lava weiter unten ergibt fruchtbare Böden, die mit Kiefern aufgeforstet wurden. Am Hang des Monte Somma finden sich auch Flaumeichen und Edelkastanien. Unterhalb von 300 Meter beginnen die Weinkulturen.

Der Vesuv galt in der Antike als erloschener Vulkan, bis es dann 63 n. Chr. ein Erdbeben gab, das die Städte Herculaneum und Pompeji teilweise zerstörte. Die beiden Orte lagen ganz in der Nähe des Vulkans. Das hätte eine Warnung für die Bevölkerung sein müssen. Aber so wie in anderen Teilen der Welt, wo es Vulkanberge gibt, beruhigen sich die Überlebenden rasch wieder und beginnen neuerlich die hier besonders fruchtbare Erde im unteren Bereich der Vulkane zu kultivieren. Das scheint auch am Vesuv so gewesen zu sein. Aber am 24. August des Jahres 79 n. Chr. spie der Vulkan gigantische Mengen feuriger Lava und Asche und es bildete sich eine dunkle Wolke von der Gestalt einer Pinie über dem Berg. Das Ausmaß der Zerstörungen durch diesen Vulkanausbruch wurde erst den Ausgräbern der damals verschütteten Städte Herculaneum, Pompeji und Stabiae bewusst. Man nimmt heute an, dass damals zwischen 12.000 und 16.000 Menschen umkamen. Als eines der prominentesten Opfer gilt Plinius der Ältere, der Onkel des jüngeren Plinius, der den Ausbruch selbst erlebt und in seinen Briefen, die er an Tacitus schrieb, mitgeteilt hat.

Weitere Ausbrüche erfolgten in den Jahren 202, 472 und 512. Besonders stark waren sie in den Jahren 1631, 1906 und 1944. Dazwischen gab es im Durchschnitt alle 7 Jahre kleinere Eruptionen. Seit dem letzten größeren Ausbruch sind nunmehr immerhin 56 Jahre vergangen. Doch man hat beobachtet ihn gründlich. Am Rand des Monte Somma liegt in ca. 600 Meter Höhe das bereits 1851 eröffnete vulkanologische und meteorologische Oberservatorium. Um hinauf zum Kraterrand zu kommen, hat man zwei Möglichkeiten - die Straße, die bis in eine Höhe von ca. 1.000 m gebaut wurde oder man nutzt die bequemere Variante, eine der beiden Seilbahnen (die erste wurde 1953 gebaut).

In Pompeji angekommen, müssen wir die Eintrittskarten selbst erwerben. 16.000 Lit. - dazu im Preis enthalten ein Stadtplan. TUI hat sich um einen Fremdenführer gekümmert. Er heißt Giovanni. Im Gänsemarsch geht es nun über Stock und Stein, um die von ihm erzählte Antike nachzuerleben und zu bestaunen. Wir können ihn nicht verlieren, da er immer wieder mit seinem Bildband winkt, damit wir den Anschluss nicht verpassen. Exemplare des Bildbandes können wir nachher zu einem "Sonderpreis" bei seinem Freund, der "zufälligerweise" am Ausgang seinen Shop hat, erwerben.

Die Tragödie des bereits oben beschriebenen Vulkanausbruches gibt uns heute die Möglichkeit einer eindrucksvollen Besichtigung. Dank der Lava, die die Siedlung lange bedeckte, sind in Pompeji die antiken Gebäuden, die alten Straßen und alle Gesichtspunkte des täglichen Lebens zur Zeit der Römer einzigartig erhalten geblieben. Seit dem 18. Jahrhundert ist durch aufwendige Ausgrabungen fast die gesamte "mumifizierte Stadt" wieder ans Tageslicht gebracht worden. So kann man heute den Prototyp der römischen Städte beobachten. Restaurierte Gebäude bzw. Ruinen von Theatern, den damaligen Turnhallen und Gebäuden, die Mittelpunkt des öffentlichen Lebens waren, werden uns eindrucksvoll beschrieben. Hier stehen auch die Reste von Läden und Wohnhäusern, einige mit wertvollen, gemalten Dekorationen. Zu den berühmten, luxuriösen Villen mit Mosaikfußböden sowie meisterhaften Wandmalereien zählen die Casa dei Vettii, die Casa degli Amorini doratii, die Casa delle Nozze d´Argento und die Mysterienvilla. Sehr eindrucksvoll sind auch die Gipsnachbildungen der erschreckten, nachts aus dem Schlaf aufgescheuchten Bewohner, die in der Lavaschicht Abdrücke hinterlassen hatten. Giovanni erklärt uns, dass man noch etwa 200 Jahre benötigen würde, um den Rest auszugraben. Auf geht's.

Nach einem gut 2stündigen Rundgang mit viel Geschichte(n) befahren wir die Autobahn in Richtung Sorrent. Von dort aus geht es auf die Küstenstraße. HIER gibt es die schärfsten Kurven - nicht im "Playboy".

Bereits die alten Griechen fanden in diesem schroffen, steilen Küstenabschnitt des Thyrrenischen Meeres genug Stoff für ihre Mythologie. Wer kennt nicht die Schriften von Homer, die er über die Sirenen geschrieben hat ? Sie trieben auf einer dem Festland vorgelagerten kleinen Insel ihr Unwesen und rissen mit ihrem süßlichen Gesang die Seefahrer in den Tod. Dank Odysseus hat dieser Spuk seinerzeit ein Ende gefunden. Der Sage nach sollen sie zu Stein geworden sein und sich in Felsinseln verwandelt haben - heute kennt man diese unter dem Namen Li-Galli-Inseln. Aber auch Sarazenen und Römer fanden Gefallen an diesen aufragenden Felsformationen. Strategische Voraussetzungen für geschützte Siedlungen wurden durch die wenigen Felseinschnitte geboten.

Von unserem Fensterplatz aus kann man das unvorstellbar blau- und smaragdfarben-schimmernde Wasser, das die feinen Kiesstrände in den Buchten umspült, wunderbar sehen. Das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann. Treppen führen bis ans Meer, manche luxuriöse Hotels verfügen auch über Fahrstühle.

Die berühmte Traumstraße, auf der wir uns befinden, die Amalfitana (erbaut 1840) wurde für Pferdekutschen und Karren konzipiert und nicht für Reisebusse. Und seitdem ist - außer der Asphaltierung - nicht viel an ihr geändert worden. An manchen Kurven ist Millimeterarbeit angesagt, wenn zwei Fahrzeuge, selbst mit eingeklapptem Seitenspiegel, einander nicht ans Blech wollen. Kreuzt ein Bus auf, heißt es zurücksetzen - falls der Hintermann wegen seines Hintermanns kann. Die Einheimischen sind an ihre kurvenreiche Strada, die sie im Rallye-Stil nehmen, gewöhnt und amüsieren sich dabei. Vor fast jeder Haarnadelkurve ertönt ein Hupkonzert der Reisebusse, um die entgegen kommenden Fahrzeuge zu warnen.

Nicht nur wir, auch John Steinbeck machte 1953 Urlaub an der Amalfitana. Was bei dem amerikanischen Schriftsteller einen besonders starken Eindruck hinterließ, so kann man ein Zitat nachlesen, war das fortwährende Treppensteigen: "Ich habe das Empfinden, dass die Welt in Positano senkrecht steht.". Stimmt, aber nicht nur das: Hier wurde 1959 angeblich der Bikini in Italien salonfähig. Bekannt ist die Ortschaft auch für ihre Kleidermode, die mir persönlich jedoch nicht über den Weg gelaufen ist. Hier würde man gerne mal einen ganzen Tag verbringen, es ist wirklich malerisch hier, doch der Bus fährt und fährt und fährt.

Wir machen eine kurze Pause in einem Keramikgeschäft. Hier werden zahlreiche Keramiken, Spieluhren, Möbel mit Intarsienarbeiten, für die diese Gegend bekannt sein soll, angeboten. Wir genießen den herrlichen Ausblick über den Golf von Sorrent. Die Fahrt geht weiter.Nach wenigen Kurven kommen wir nach Minori, einem blühenden Handelszentrum. Der geliebte Wohnsitz des herzoglichen Adels wurde vor vielen Jahren Rivale von Amalfi: Die Zitronen, das Papier (für das Amalfi sehr bekannt ist) und die Teigwaren von Culinari waren, so erzählt man, die Besten der ganzen Region. Hier kann man auch die Basilika von S. Trofimena, die Kirche von SS. Sacramento, in der es ein unschätzbares Triptychon des Trecentos gibt, eine romanische Villa aus dem ersten Jahrhundert mit Stuckwerken und Mosaiken, bewundern. Einem Reiseführer ist zu entnehmen, dass ein wunderschöner Brunnen an der See_Prorenade sehenswert ist. Alles ist zum Greifen nah - doch der Bus setzt unermüdlich seine Tour fort.

In Maiori erfahren wir dann, dass wir nur noch wenige Augenblicke fahren müssen, bis wir unser Mittagessen einnehmen werden, und zwar kurz vor Amalfi, in einem Restaurant mit herrlichem Blick auf das Meer. Wir freuen uns schon auf das Mittagessen. Das Lunchpaket haben wir zwar dabei, aber auf Birnen, Äpfel, Pfirsichen und Apfelsinen haben wir nicht so recht Appetit. Wen wundert's. Wurden doch hier an der Küste die Spaghetti erfunden. Unbedingt probieren sollte man hier auch den Mozzarella, der nicht zu vergleichen ist mit dem, den es in Deutschland in den verschiedenen Lebensmittelgeschäften zu kaufen gibt. Der Mozzarella hier wird sowohl aus Büffel- als auch aus Kuhmilch angeboten. Die Fische kommen fangfrisch aus dem Meer und abgerundet wird (fast) jedes Essen durch die verschiedensten Arten von Süßspeisen oder frischem Obst, das hier in Hülle und Fülle wächst und von der Sonne (nicht von Herrn Dittmeyer) verwöhnt wird.

Gegen 13 Uhr erreichen wir dann das Lokal. Zu einem Festpreis können wir jetzt das Mittagessen einnehmen, es kostet 22.000 Lire und die Getränke sowie zum Abschluss ein Heißgetränk oder ein hier weit über die Grenzen Italiens bekannter Likör, der Limoncello, ist inklusive. Wir entschließen uns, die gegrillten frutti di mare zu probieren. Zur Auswahl haben wir Schwertfisch und Spaghetti mit Tomatensauce. Zu jedem Essen wird ein Salat und Knoblauchbrot gereicht. Auch der Tischwein und das erfrischende Mineralwasser dürfen nicht fehlen.

An unserem Tisch kommen wir mit einem Ehepaar ins Gespräch, das ebenfalls diese Tour gebucht hat, wir und tauschen unsere positiven Reiseerlebnisse des Urlaubs aus. Sie berichten uns von ihrem Tagesausflug zu den Podeidon-Gärten. Dort kann man, gegen ein Eintrittsgeld von fast 40 DM, einen Tag verbringen und dort die verschiedensten Bade- und Kureinrichtungen nutzen. Das hatte uns zwar auch schon die Reiseleiterin bei unserem Treffen am Sonntag erzählt, aber uns, da wir nur eine Woche Urlaub haben, nicht sehr gereizt. Bei unserem nächsten Aufenthalt auf Ischia, der sicherlich länger sein wird, werden wir vielleicht auch mal einen Tag dort verbringen (oder in den Castiglione-Gärten in Casamicciola, da war ich schon mal).

Wenig Zeit bleibt nach dem Essen, um einen Espresso zu trinken, aber der gehört nun mal nach einem guten Essen dazu. Danach geht es auf dem schnellsten Wege nach Amalfi, wo wir eine Stunde Aufenthalt haben.

Auf einem unscheinbaren Marmorschild neben der Porta Marina in Amalfi kann man lesen:

Der Tag des Jüngsten Gerichts werde für die Amalfitaner, die ins Paradies kommen,

ein Tag wie jeder andere sein

Glaubhaft, schöner als an dieser Küste kann es auch im Himmel nicht sein... aber erst in der Vor- und Nachsaison, wenn die Touris die Strada Statale 163 wieder freigegeben haben.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der mittelalterliche Stadtteil Amalfis am Hafen durch starke See-Unwetter weitgehend zerstört. Nur noch im Ortskern existieren Spuren der vergangenen Macht. Hier leben ca. 6.000 Menschen in einem relativ kleinen Lebensraum. Es ist August, Hochsaison. Hier herrscht ein ständiges Wuseln in einem Labyrinth aus Kirchen, Türmen, Klöstern, Häusern, Treppen und Gässchen vor einer malerischen Bergkulisse, das auf der Piazza Duomo beginnt. Die steile Freitreppe des Doms verwandelt sich alle vier Jahre in ein ehrwürdiges Bühnenbild. Das Städtchen feiert mit einem historischen Umzug seine Vergangenheit. Tausende von Besuchern aus allen Landesteilen drängen sich am Ufer, wenn in der feurig angeführten Ruderregatta der ehemaligen Seerepubliken die längst überholten Vormachtstellungen ausgetragen werden.

Auf der Piazza Duomo kann man ins "Caffè Francese" oder zu "Pansa" gehen. Pansa ist die bekannteste Konfisserie der Stadt. Hier fertigt man bereits seit fünf Generationen aus der arabischen Welt importierte und verfeinerte Gaumenreize an. Die Auslage des Schaufensters gibt einen Einblick auf das Warenangebot. Hier findet man u.a. glasierte Orangen- und Zitronenschalen, Mokkatrüffel und Mandeltörtchen mit Zitronenlikör. Man sagt, dass die hiesigen Zitronen wegen ihres besonderen süßlich-sauren Geschmacks weltweit die besten seien. Angeblich beziehen von hier die berühmtesten Eisdielen Italiens ihre Rohstoffe.

Beim Bummel durch die Altstadt von Amalfi begegnen wir einem Ehepaar, das ebenfalls im La Pace wohnt. Wir wundern uns über das ungewöhnliche Zusammentreffen - sie waren nicht bei uns im Bus. Es klärt sich schnell auf, dass sie eine ähnliche Tour, allerdings mit dem Boot, unternommen haben. Jetzt freuen sie sich auf das Hotel, da die Strapazen - bedingt hauptsächlich durch die Hitze - für den mitgeführten Foxterrier doch wohl zu viel waren.

Die Stunde war eindeutig zu kurz. Auf dem Weg zum Bus, wo wir um 16 Uhr bereits wieder erwartet werden, haben wir noch kurz die Möglichkeit, in einem Delikatessengeschäft etwas einzukaufen. Wir entscheiden uns, nach kurzer Geschmacksprobe, für den "echten" Limocello - denn nur der echte kommt - so sagt die Werbung - aus Amalfi.

Wir passieren noch einige Ortschaften, so auch Vietri sul mare. Hier staut sich der Verkehr und wir verlassen die Steilküste talabwärts. Wir haben hier noch ein letztes Mal für heute die Möglichkeit, einen Blick aufs Meer dieser herrlichen Küste zu werfen. Der Strand hier ist sehr gut besucht und wir sehen die ersten Touristenpaläste, die entlang der Strandpromenade gebaut worden sind. Ruhige Plätzchen wird man hier vergeblich suchen. Berührungsängste darf man im August an den Badestränden sowieso nicht haben.

Leider hat man für Fahrt auf der Costa Amalfatina viel zu wenig Augen, um alles bestaunen zu können. Reizvoller wäre diese Fahrt sicherlich auch mit einem Cabriolet oder einem Motorrad. So haben wir auf jeden Fall wieder einen guten Grund, an diese - für mich schönste - Traumstraße der Welt zurückzukommen.

Für den Rückweg benutzen wir nun die Autobahn nach Neapel, um schneller die Fähre in Pozzuoli nach Porto zu erreichen. Unser Weg führt noch einmal an den teilweise verfallenen Häusern und am bekannten Amphitheater vorbei.

In Porto werden wir mit dem Bus direkt zum Haupteingang des Hotels (und nicht oberhalb des Berges) gefahren - so wie sich das gehört. Mittlerweile ist es schon fast halb neun. Der Blick auf die am Speisesaal ausgehängte Menükarte lässt uns nicht in Schwärmen geraten. Wir beschließen, auf das Abendessen zu verzichten. Schließlich war das Mittagessen ausreichend, und wir haben morgens keine Möglichkeit gehabt, das Menü umzubestellen. Stattdessen gibt es aber auf jeden Fall unseren fast täglichen Schlummertrunk (Campari Orange) bei Toni in der Hotelbar

Durch Zufall kommen wir mit Barbara (sie lebt bei Karlsruhe) ins Gespräch. Sie ist ungefähr in unserem Alter und diesmal auf eigene Faust mit ihrer Mutter (sie lebt in Stuttgart) statt mit dem Flugzeug zu fliegen - mit dem Zug gefahren (da sie zu viel Gepäck mit sich führen), und zwar von München (das war die einfachste Möglichkeit) nach Neapel. Dafür haben sie nicht nur viel Geld bezahlt, sondern auch lange Zeit im Schlafwagen verbracht. Die Zugfahrt dauerte über 14 Stunden in einem Nachtzug. Ischia gehört für sie zu den schon seit über 20 Jahren besuchten Reisezielen. Wen wundert's ? Gegen 23 Uhr ruft uns der Bettzipfel. Schließlich wollen wir ausgeruht unseren letzten vorletzten Ferientag genießen.

Als die Musik, die allabendlich von Antonio II, einer ebenfalls oberhalb des Hotels gelegenen Pizzeria, auch heute wieder an mein Ohr dringt, bin ich sehr irritiert. Ohne Brille und ohne Licht glaube ich zu erkennen, dass es ca. 5.30 Uhr sein müsse. Merkwürdig, das Hotel ist hell erleuchtet, überall blinken bunte Birnchen, und der Ort ist auch schon wach. Zahlreiche Autos kann man in der Ferne erkennen. Wie kommt's ? Ganz einfach, es ist erst 23.30 Uhr, und ich habe das Gefühl, schon ausgeschlafen zu haben. Erholung pur.

Freitag

Eigentlich haben wir heute vor, uns ein letztes Mal ins Mittelmeer zu "stürzen". Angesichts der Tatsache, dass wir spätestens zur Mittagszeit uns wieder auf den Rückweg machen müssten (wer liegt denn schon um 13 Uhr noch am Strand, außer ein paar unbelehrbaren Touries - auf italienisch: sono pazzi questi turisti - auf deutsch: die sind verrückt, die Touristen - entschließen wir uns, einen letzten Pooltag zu genießen. Wir haben auch gehört, dass man fast DM 30 einplanen müsse, um an einem öffentlichen Strand je einen Liegestuhl und einen Sonnenschirm zu mieten. Das ist dann doch ein wenig happig für einen halben Tag. Außerdem kann man von hier aus doch leichter entscheiden, der Sonne aus dem Weg zu gehen.

Heute bekomme ich meine letzte Massage, schade, diesmal hat die Zeit nur für drei gereicht. Anstalten, mir das restliche Massageöl mitzugeben, macht Nino nicht. Wahrscheinlich werden hier die Reste zusammengeschüttet und wiederverkauft - modernes Umweltmanagement. Aber was soll's. Die Flasche würde sich auch nur bei mir im Badezimmer zu den zahlreichen anderen Flaschen gesellen und irgendwann mal auf Nimmerwiedersehen verschwinden. So reicht es eben noch für ein gutes Werk.

Nun heißt es aber, die - so dachten wir - vorläufig letzten Sonnenstrahlen genießen (wer konnte denn ahnen, dass auch in Deutschland nach unserer Rückkehr der Sommer sich blicken ließ, mit Temperaturen weit über 30 Grad).

Früh genug haben wir uns schon nach dem Frühstück unser Sonnenplätzchen gesichert. Ob man will oder nicht, früh aufstehen sichert die besten Plätze. Auch heute gibt es es wieder Poolmafia-Alarm. Am vorletzten Tag müssen wir tatsächlich feststellen, dass es sich bei der Familie, die auch die letzten Male um uns herumlag um eine russische handelt (2 Erwachsene, 2 Teenies). Immerhin 10 Liegen - 4 in der Sonne, 4 im Schatten und 2 für Klamotten - das ist absoluter Rekord. Wenn das nicht DIE Poolmafia ist. Lange hält man es heute in der Sonne bzw. unter dem Sonnenschirm nicht aus. Es ist/wird der heißeste Tag unseres Aufenthaltes. Kein Lüftchen regt sich, und die Temperaturen liegen bei weit über 40 Grad.

Nach dem Mittagessen gibt es noch ein wenig Siesta, da wir bis 18 Uhr die Koffer in der Hotelhalle für den Abtransport bereitgestellt haben müssen. Der Rest muss am Samstag per Handgepäck nach Deutschland.

Am Abend ziehe ich vor, die Italiener und die Übrigen ein wenig zu provozieren. In einem eng anliegenden, türkisfarbenen Catsiut mache ich mich auf den Weg ins Restaurant. Ganz schön anstrengend, den Bauch einzuziehen ...

Das Abendessen geht heute etwas zügiger über die Bühne, da wir uns - wie erwähnt - um 21 Uhr in Porto mit M & M verabredet haben und ich mich auch angesichts des Outfits nicht voll pasta stopfen kann. Wir verabschieden uns von Toni und hoffen, auch ihn bald wiederzusehen.

Heute Abend möchten wir uns - wie bereits erwähnt - den weiteren Gepflogenheiten des Landes anpassen, diesmal dem Abendvergnügen der Italiener nachgehen, das da heißt "fare il corso", übersetzt soviel wie Bummeln. Es ist üblich, dass man sich bei Einbruch der Dunkelheit trifft, durch die kleinen, lauschigen Gässchen schlendert oder einen Limoncello (oder zwei) trinkt. Doch nein, wieder werden unsere Pläne durchkreuzt.

Wie es der Zufall so will, steigen wir in den Bus ein, in dem M & M bereits sitzen. Peu à peu bereiten sie uns darauf vor, dass sie noch nach Ponte müssten, um ein Kleid abzuholen, was sich Meike dort gekauft hat und enger hat machen lassen. Gut, dass ich schon mal da war, so fällt mir doch ein, dass bis dorthin ein Bus fährt und wir den Weg nicht ganz zu Fuß laufen müssen. Es ist schon fast dunkel, als wir wenig später die Bushaltestelle in Ponte erreichen. Hier gibt es eine schöne Fußgängerzone mit zahlreichen Cafés und Restaurants, Boutiquen und vielen anderen Einkaufsmöglichkeiten.

Nachdem wir die Boutique gefunden haben und nach kurzer Anprobe mit Kleiderwechsel, geht es zum gemütlicheren Teil über. Dass die Taverne, die wir uns ausgesucht haben, örtlich nicht dahin gehört, wo es sich befindet, merken wir erst, als Matthias einen weiteren Zitronensaft bestellen will und fast schon in einer Kunstgalerie steht. Das eigentliche Lokal befindet sich auf der gegenüber liegenden Straßenseite und ist in Wirklichkeit nur ein kleiner Kiosk. Aber der geschäftstüchtige Besitzer hat vor der Galerie, sicherlich mit deren Erlaubnis und dem damit verbundenen Nutzen für deren Verkäufe, ein paar Tische und Stühle aufgestellt und serviert von seinem Geschäft aus Getränke und sogar Essbares.

Wir plaudern über unsere auf beiden Seiten - in Teilen sehr unterschiedlich - erlebten Tage. M & M haben am Mittwoch die Tour zum Vesuv und nach Pompeji gemacht. Donnerstags waren sie auf der Aragonesenburg, die wir diesmal zeitlich nicht geschafft haben (ich erinnere mich an meinen Besuch 1990. Dabei sind mir die alten Ruinen noch gut in Erinnerung. Bemerkenswert empfand ich seinerzeit, dass es hier einen Nonnenfriedhof gibt. Dort wurden die Leichen auf Steine mit runden Öffnungen gesetzt, bis die Gebeine durch das Loch gefallen sind und man sie einfach wegkehren konnte - auch praktisch).

Gegen 22.30 Uhr machen wir uns auf den Rückweg in Richtung Porto, wo wir noch ein wenig shoppen wollen. Ein langer Fußmarsch liegt vor uns. Tapfer und elegant laufe ich mit meinen, zwar in Hamburg gekauften, aber trotzdem aus Italien stammenden Pumps mit Pfennigabsatz, über das Kopfsteinpflaster, das seinerzeit für Ledersandalen errichtet wurde und nicht für italienischen Chic. Aber wer konnte das damals denn ahnen, dass die Mode einmal eine andere sein würde ?

Nach einer guten halben Stunde erreichen wir die Via Roma. Sie zeigt sich nun von der lebendigen Seite, die wir am Mittwoch nicht kennen lernen konnten, da wir viel zu früh hier waren. Eine kleine Rast tut gut, und auf der Via Roma, der elegantesten Einkaufsstraße weit und breit, gibt es zum Sitzen genug Möglichkeiten. Wir genießen die Getränke und bestaunen die hier vorbeiflanierende Menschenschar. Ob jung - ob alt - ob groß - ob klein - ob dünn - ob dick - ob Mann - ob Frau - ob braun - ob blond - ob hochgeschlossen - ob bauchfrei - HIER findet die größte und eindrucksvollste Modenschau statt, die wir je gesehen haben. Es ist Mode zum Tragen (nicht vom Laufsteg) aber mit viel Geschmack ausgesucht.. Eine Tasche, die mir schon seit Tagen nicht aus dem Kopf gegangen ist (ich habe sie in Casamicciola gesehen, aber uns hat der Weg nicht mehr dorthin geführt), können wir zufälligerweise auf der Via Roma kaufen. Darüber freue ich mich sehr, denn wir kommen leider nicht mehr dazu, gemütlich nach Schuhen oder Kleidern zu schauen. Wir haben zu viel Zeit zwischendrin für andere Sachen gebraucht. In Ponte war es zwar sehr schön, aber die 2 Stunden fehlen uns nun in Porto. In einem feinen Delikatessengeschäft kommen wir aber trotzdem noch dazu, Parmesan für Michael's Kollegin zu kaufen, dann fällt auch schon die Tür ins Schloss. Es ist kurz vor Mitternacht. Dafür haben wir natürlich Verständnis.

Wir wollen es kaum glauben. Es ist fast 0.30 Uhr und an der Apotheke wird die Temperatur von 30 Grad angezeigt. Ob wir in dieser Nacht wohl schlafen können ?

Wir treten den Heimweg an - die Italiener gehen jetzt erst los. In Massen kommen sie uns entgegen geströmt, die Nacht ist für sie noch lange nicht zuende.

Der Busparkplatz in Porto ist überfüllt, nicht von Bussen, sondern von Passagieren. Da in die Linie 1, die wir benutzen möchten, nicht mal mehr eine francobollo (Briefmarke) passt, entschließen wir uns, lieber 15 Minuten abzuwarten und den nächsten zu nehmen. Doch dieser ist auch schon fast voll, als wir einsteigen. Wir verabschieden uns kurz von M & M, die noch nach Forio müssen. Am Samstag, beim Transfer zum Flughafen werden wir sie wiedersehen.

Der Berg ruft - nein, diesmal nicht der Epomeo, sondern der steile Hang, der uns hinauf zum Hotel führt. Noch einmal kommen wir an den kleinen Häusern vorbei, aus denen hier und da noch Musik und Gesang ertönt. Auch das gehört zu bella italia. Heute Nacht ist das La Pace gar nicht mit den kleinen Glühbirnen geschmückt. Wahrscheinlich sind sie (sehr) traurig, dass wir abreisen ... - buona notte.

Samstag

Nachdem wir uns nach dem Frühstück auch von Andrea und Nino verabschiedet haben, heißt es: Ischia arrividerci. Noch ein letztes Mal für diesen Sommer genießen wir den Blick von der Terrasse, stellen mit Genugtuung fest, dass der Himmel heute nicht so blau ist wie die letzten Tage (oder wollen wir das so sehen ?) und warten auf den Transferbus nach Porto, der gegen 7.45 Uhr erwartet wird.

Pünktlich erscheint wieder unser temperamentvoller Fahrer, der uns auch zur Amalfi-Tour abgeholt hatte. Ohne Rücksicht auf Verluste bringt er uns in einer Rekordzeit zum Hafen, wo auch schon Meike und Matthias auf die Fähre warten.

Um 8.30 Uhr besteigen wir dann die Auto-Fähre nach Neapel. Nicht, dass wir es besonders eilig hätten, hier wegzukommen, aber ein schöner Sitzplatz an Deck wäre der krönende Abschluss. Das denkt sich sicherlich auch der mit seiner Familie unangenehm auffallende Mittdreißiger, der immer näher an den Eingang drängt. Vielleicht fällt er ja noch ins Wasser, wäre doch auch noch ein kleines Highlight - doch auf seine Bekanntschaft mit dem Wasser müssen wir noch einen Moment warten. Nur Geduld.

An Bord angekommen, delegiert er seine Frau an einen Tisch im Innenraum des Schiffes. "Besetzt schon mal die Plätze - ich schaue mal, ob draußen noch was frei ist" - das sind die letzten Worte, die er von sich geben kann, bevor ES passiert. Zwei Reihen vor uns hat er sich nämlich (wohlgemerkt, es befinden sich dort vier Plätze zum Sitzen) breit gemacht. Als ein Fahrgast fragt, ob der leere Platz neben ihm noch frei sei, erwiderte dieser: "Nein, da sitzt mein Sohn". Verdutzt erwidert der Fahrgast, dass er kein Kind sehen würde, worauf "Mister Proll" erwiderte: "Nein, im Moment nicht, er steht da vorn, an der Reling, wird sich aber gleich setzen, wenn das Schiff los fährt". In diesem Moment läuft das Schiff aus. Nicht nur aus dem Hafen, sondern in Form der sich oberhalb der Außensitze befindlichen Plastikplane. Mit ihr wird "Mister Proll" unfreiwillig von Kopf bis Fuß unter Wasser gesetzt, was die drum herum sitzenden anderen Passagiere am liebsten zu Beifall veranlasst hätte. Aber deren Lachen und unser Lästern war nicht zu überhören und mit hoch rotem Kopf verschwand er auf Nimmerwiedersehen.

In Neapel angekommen besteigen wir den Bus zum Flughafen. Da wir schon eingecheckt sind und unsere Koffer erst wieder in Hamburg in Empfang nehmen werden, haben wir noch ein wenig Zeit, uns den Duty-Free-Shop anzusehen. Wir entschließen uns, noch eine Flasche Limoncello mitzunehmen, mehr fällt uns nicht ein. Die restlichen 50.000 Lire tauscht Michael dann am Flughafen bei der Bank in harte DM um.

Auf dem Flughafen Capodicchino herrscht ein Wirrwarr. Immer noch bedingt durch den Vulkanausbruch des Ätna werden viele Flüge nach Neapel umgeleitet, da der sizilianische Flughafen nicht in der Lage ist, die Anzahl der Passagiere aufzunehmen. Natürlich ist hier auch alles anders organisiert, wenn überhaupt. Aber das gefällt uns.

Um 10.30 Uhr besteigen wir pünktlich unseren Flieger. Diesmal handelt es sich, was sehr ungewöhnlich ist, um einen Nichtraucherflug und so sitzen wir diesmal etwas weiter vorne in der Maschine. Der Flug ist diesmal sehr ruhig, aber desto näher man nach Deutschland kommt, um so dichter wird die Wolkendecke und man kaum noch etwas von der Landschaft erkennen.

Kurz vor unserer Landung in Hamburg gibt uns der Pilot die offiziellen deutschen Wetterverhältnisse durch. Natürlich 15 Grad - Regen - wie hätte es auch anders sein sollen?


Wir haben einen großen Fehler gemacht, nämlich die Insel in unser Herz geschlossen.

So bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder hinzufahren - so schnell wie möglich.


Aber ob das ein wirklich Fehler war ?

Wir meinen NEIN.



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