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Beitrag von Bernd Ritzmann vom March 12, 2001 at 10:38:56:
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25 Jahre zuvor war es eine Campingreise ins "Tal der Verliebten" (aus "Twen"), an die Ardeche in der Provence. Zur Silberhochzeit wollte ich meiner Frau einen langgehegten Wunsch erfüllen, der in ihr durch ein TV-Bericht über die Isles of Scilly gereift ist. Wer nun glaubt, dies sei für einen Kontinentaleuropäer einfach zu realisieren: rein ins Reisebüro, Angebote prüfen, buchen...und ab geht's, der wird schnell von der Exotik dieses Reisezieles eingeholt. "Natürlich haben wir Reisearrangements nach Sizilien". "Wo auf den äußeren Hebriden liegt das genau?" "Scilly Islands? Wo ist das denn?" Das waren in etwa die Antworten der Reiseprofis. Dabei liegen die Isles of Scilly in Westeuropa, 28 Seemeilen WSW vor Land's End. Wie, das kennen Sie auch nicht? Im Südwesten Englands, in Cornwall, liegt dieser Zipfel, der vom Golfstrom umspült klimatisch die wärmste Gegend Großbritanniens ist. Von dort Luftlinie ca. 40 km liegt dieser Archipel aus fünf Hauptinseln bestehend; früher Seeräubernester, heute der Herkunftsort von Osterglocken an Weihnachten. Nun, es gelang übers Internet ( www.scilly-online.co.uk) und die Hilfe von HoGaTours ein Unterkunftsverzeichnis zu bekommen. Es stellte sich schnell heraus, dass die Hotels so teuer wie in England sind (ab ca. 56 Pfund). Nach unserer Erfahrung haben die "Guest-Houses" aber ohnehin viel mehr Charme, vor allem wegen des persönlichen Kontakts zu den Inselbewohnern. So war es auch ein persönlicher Anruf bei Liz und Bob vom Haus "Innisidgen" auf der Hauptinsel St. Mary's in Hugh Town, der uns eine angemessene Unterkunft zu 23,50 Pfund p. P. incl. reichhaltigem Frühstück bescherte. Liz kümmerte sich auch um das Übersetzen zur Insel. Es gibt - wenn man mit dem Auto anreist - drei Möglichkeiten, direkt nach St. Mary's zu gelangen: von Penzance aus mit dem Helikopter von British International (einfacher Flug ca. 45 Pfund) oder mit der MS "Scillonian III" für 37 Pfund. Oder von Land's End aus mit dem "Skybus" (44 Pfund), zweimotorigen Propellermaschinen, eine Fluggesellschaft, die auch von Bristol, Exeter und anderen englischen Flughäfen nach den Scillys fliegt. In allen Fällen bleibt das Auto auf einem mehr oder weniger abgesicherten Parkplatz in England. Die Hinfahrt empfiehlt sich mit dem Shuttle von Calais nach Folkstone (Dover) durch den Eurotunnel (eine Tour 80 Pfund), dann durch Südengland gen Westen. Wir haben in Amesbury nahe Stonehenge (muß man gewesen sein) eine Zwischenübernachtung mit bed&breakfast gemacht (100 Pfund für Zwei). In Penzance luden wir unser Gepäck in den Hubschrauber, um nach herrlichem Flug mit dem Inselbus vom Flughafen nach Hugh Town zu gelangen. Zwei Tage brauchten wir, um schließlich von Liz und Bob, die heute das Haus "Lynwood" in der Church Street betreiben, herzlich empfangen zu werden. Es stellte sich schon am ersten Abend heraus, dass beide hervorragende Köche sind, deshalb haben wir ab und zu gerne das Dinner mit 4 Gängen für 11 Pfund bei ihnen eingenommen. Wenn man gut zu Fuß ist, kann man die Hauptinsel mit ihrer phantastischen Fauna in einem Tag erwandern. Man kann auch in einem historischen Taxi oder mit dem Inselbus, der für sich genommen schon eine Sehenswürdigkeit ist, eine Rundfahrt machen. In keinem Falle sollte man Bootsausflüge zu den benachbarten Inseln versäumen: Tresco, der reinste botanische Garten mit Tausenden tropischer Pflanzen aus aller Welt - ein gehegter Dschungel, eine ehemalige Benediktinerabtei, war früher ein übles Schmugglernest, ein paar windzerzauste Felsen im Atlantik mit Fischern, die den lieben Gott einen frommen Mann sein lassen, so nicht gerade ein Schiff zerschellt, das man ausrauben kann. Oder nach St. Martin's mit dem teuersten und exklusivsten Hotel der Scillys und herrlichen Sandstränden und abenteuerlichen Tauchrevieren. Oder wer St. Agnes besuchen möchte, das raueste aller Eilande, die Arbeiterinsel, die Insel der Hicks und echter Scillians, am Rande des Archipels, dem bleiben blubbernde Nussschalen, weiß gekrallte Knöchel und grinsende Skipper nicht erspart. Nach der Überfahrt glaubt man den Klabautermännern aus dem Pub, dass an manchen Felsen die Wracks übereinander liegen, auch wenn der Naturhafen die Atlantikwogen sofort glättet. Oder eine ebenso schwankende Fahrt zu den Seehundinseln, die man zu Hauf bei ihrem Spiel im Wasser oder faul auf Felsen liegend beobachten kann - und wenn man Glück hat und zur rechten Zeit auf den Scillys ist die Brutkolonien der Papageientaucher auf Puffin Island. Es fiel uns schwer, nach einer Woche dieses Paradies im Atlantik mit der MS "Scillonian III" wieder verlassen zu müssen. Wehmütig schauten wir über Heck auf die Inselgruppe zurück, um nach zweistündiger Überfahrt den Hafen von Penzance zu erreichen. Von dort ca. 10 Minuten zu Fuß zum Parkplatz des Helikopterflughafens, das Auto geholt, Gepäck verstaut und mit einer Träne im Knopfloch ohne Zwischenhalt zurück zum Shuttlezug bei Dover. Liz und Bob: wir kommen wieder, keine Frage! |